Bürgerkrieg in Libyen: Gaddafi droht mit einem Blutbad

Bürgerkrieg in Libyen
Gaddafi droht mit einem Blutbad

Schwere Gefechte im Osten Libyens: Mit Bombern und Panzern versucht Gaddafi das Land zurückzuerobern. Der Diktator droht dem Westen unverhohlen: Bei einem Militäreinsatz müssten tausende Libyer sterben.
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Tripolis/Bengasi/BerlinDer libysche Staatschef Muammar al Gaddafi hat davor gewarnt, dass „Tausende Libyer“ sterben werden, sollten die USA oder die Nato in seinem Land militärisch eingreifen. Zuvor hatte Gaddafi bereits angekündigt, er wolle bis „zum letzten Mann und zur letzten Frau“ kämpfen, um sein Land zu verteidigen. Die Ölfelder und Häfen Libyens seien „sicher“ und „unter Kontrolle“, fügte er hinzu. Man würde außerdem westliche Banken und Unternehmen im Land durch chinesische, russische oder brasilianische ersetzen. Das sagte er am Mittwoch in einer Ansprache an seine Anhänger und ausländische Medienvertreter in einem Konferenzsaal in der Hauptstadt Tripolis.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat bereits Ermittlungen gegen Libyen wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet. In einer Erklärung vom Mittwoch hieß es, Chefankläger Luis Moreno-Ocampo habe sich dazu nach vorläufiger Auswertung bislang zusammengetragener Informationen entschieden.

Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi versuchen derweil, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Am Mittwoch lieferten sie sich mit Aufständischen heftige Kämpfe um die Öl-Stadt Al-Brega im Osten des Landes. Während Gaddafi sich von seinen Anhängern in Tripolis feiern ließ, versuchten weiterhin Tausende, aus dem Land zu fliehen. Erstmals seit Tagen trafen auf der italienischen Insel Lampedusa wieder Flüchtlinge aus Nordafrika ein. 

Das libysche Staatsfernsehen zeigte am Mittwoch aus Tripolis Bilder von einer Feier zum „34. Jahrestag der Herrschaft des Volkes“, die in einem Festsaal der Hauptstadt stattfand. Gaddafi wirkte gelöst und zufrieden, während seine Anhänger „Gott, Muammar, Libyen und sonst nichts“ riefen. Gaddafi hatte sich 1969 an die Macht geputscht und 1977 die Staatsgewalt symbolisch in die Hand des Volkes gelegt. 

In der al-Brega - im Sirte-Becken westlich der von Aufständischen eingenommenen Stadt Adschdabija - dauerten die Kämpfe am Mittwochmittag an. Gaddafi-treue Truppen hatten den Flughafen der Stadt bereits am Dienstagabend angegriffen. Medienberichte, wonach die Soldaten das Flugfeld unter ihre Kontrolle gebracht hätten, wurden von den Aufständischen zurückgewiesen. 

Die Truppen seien zurückgedrängt worden, sagte der zu den Regimegegnern übergelaufene Polizeikommandeur Nuri al-Obeidi aus Bengasi der Nachrichtenagentur dpa. Die Gaddafi-Gegner würden dabei Waffen benutzen, die sie von der libyschen Armee erbeutet hätten. Aus gut informierten Kreisen in Tripolis hieß es, Gaddafis Truppen „umzingelten“ al-Brega. Über der Stadt würden Kampfflugzeuge kreisen.

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  • @Stetson: sie unterliegen da möglicherweise einem Denkfehler: der Ölpreis wird nicht steigen, nur weil Gaddafi sein Volk abschlachtet. Saudi Arabien und andere Ölscheichtümer werden alles ihnen mögliche tun, um den Ölpreis zu senken und dem Westen keinen ökonomischen Grund zu geben, diesen Irren zu stoppen.
    Denn: wenn selbst Gaddafi mit seiner bis an die Zähne bewaffneten Armee gestürtzt wird, welche fernöstliche Diktatur könnte sich dann noch sicher fühlen?

  • Machen Sie sich bitte keine Sorgen, wenn der Ölpreis hoch genug ist, wird der Westen schon militärisch intervenieren. Erwarten Sie nur bitte kein überstürztes Eingreifen, bloß weil ein paar tausend Libyer massakriert werden. Womöglich wären die noch alle nach Europa geflüchtet. Wo sollen wir denn mit denen hin?

  • Hallo, wie fein dass China sich gegen militärische Eingriffe ausgesprochen hat! Auch dass die Arabische mehrheitlich autoritäre Liga sich dagegen ausgesprochen hat! Vom Berlusconi-Italien ganz abgesehen(Männerfreundschaft! Mubarak ist einer der weisesten Männer...). Gut dass endlich Mal ein paar Länder Farbe bekennen (IRONIE)! Ich fände es auch übertrieben, den demokratischen Kräften in Lybien zu helfen und sie davor zu schützen durch Adolf Gaddafi abgeschlachtet zu werden (ERNEUT IRONIE)! Wieviele Ausrufezeichen gibt es eigentlich? Ich schäme mich...

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