Bürgerkrieg in Syrien
Westen erhöht Druck nach Giftgas-Berichten

Israel sieht Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen der syrischen Regierung und kritisiert die internationale Gemeinschaft für ihre Zurückhaltung scharf. Die syrische Opposition spricht von mehr als 1.000 Opfern.

Paris/BerlinDer Westen erhöht nach Berichten über einen Giftgasangriff auf Zivilisten in Syrien den Druck auf die Regierung. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte am Donnerstag eine harte Reaktion der internationalen Gemeinschaft, sollten sich die Angaben der Opposition über den Chemiewaffeneinsatz bestätigen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verlangte wie zuvor bereits die US-Regierung, dass Inspektoren der Vereinten Nationen umgehend Zugang zu den Vororten östlich von Damaskus erhalten – dort sollen bei dem mutmaßlichen Angriff am Mittwoch zwischen 500 und 1.300 Menschen umgekommen sein.

Ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats erklärte allerdings: „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Toten steigt, weil wir gerade erst ein Viertel in Samalka entdeckt haben, in dem die Häuser voller Leichen sind.“ Samalka zählt zu den Wohnvierteln, in denen die syrische Armee nach Angaben der Opposition Giftgas eingesetzt haben soll. Genau in dem Gebiet setzten Truppen von Präsident Baschar al-Assad nach Rebellenangaben am Donnerstag ihre Offensive fort. In den Wohnvierteln Dschobar und Samalka schlugen demnach Raketen und Granaten ein, auch andere Orte am Rand von Damaskus gerieten unter Beschuss.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte nach einem Treffen mit Westerwelle in Berlin, in Syrien seien alle „roten Linien“ überschritten. Ohne ein entschlossenes Vorgehen müsse mit weiteren Massakern gerechnet werden. Fabius betonte im französischen Fernsehen, die internationale Gemeinschaft müsse „mit Macht“ reagieren, sollte sich bestätigen, dass die syrische Regierung Giftgas eingesetzt habe. Den Einsatz von Bodentruppen schloss er allerdings ausdrücklich aus. Auch Westerwelle bremste Spekulationen über ein mögliches militärisches Eingreifen: „Diese Vorwürfe sind so ernst, so ungeheuerlich, dass es notwendig ist, bevor man über Konsequenzen spricht oder spekuliert, erst einmal eine wirkliche Überprüfung zu ermöglichen.“

Dennoch verschärften die Chef-Diplomaten damit den Ton im Umgang mit der syrischen Regierung wenige Stunden, nachdem der UN-Sicherheitsrat sich in der Nacht nur zu einer abgeschwächten Erklärung hatte durchringen können. Sollte das Gremium der Vereinten Nationen keine Entscheidung treffen können, müsse diese „auf anderem Wege“ geschehen, sagte Fabius.

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Westen erhöht Druck nach Giftgas-Berichten

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UN-Sicherheitsrat fordert lediglich Aufklärung

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