Bürgerkrieg
Wie Obama in Syrien eingreifen könnte

Der US-Präsident sieht einen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als erwiesen an. Nach wochenlangem Schweigen kündigte Barack Obama nun militärische Unterstützung für die Rebellen an. Doch seine Optionen sind begrenzt.
  • 2

WashingtonDie „rote Linie“, die Barack Obama vor fast einem Jahr im syrischen Bürgerkrieg gezogen hat, ist für den US-Präsidenten überschritten. Nach wochenlangem Lavieren sieht auch das Weiße Haus den Einsatz von Chemiewaffen durch Syriens Staatsführung nun offiziell als erwiesen an. Damit wagt sich Obama auf schwieriges außenpolitisches Terrain vor. Noch ist unklar, wie genau die „militärische Unterstützung“ aussehen soll, die er den syrischen Rebellen als Konsequenz versprochen hat.

Briten und Franzosen hatten längst deutlich gemacht, dass sie keine Zweifel mehr am Einsatz von Chemiewaffen in Syrien hegten. Obama, dem ein Eingreifen in den komplizierten Konflikt keineswegs geheuer erschien, wartete ab. Die Beweise seien noch nicht ausreichend, ließ er beständig mitteilen. Am Donnerstag erklärte Obamas stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater Ben Rhodes dann plötzlich, die US-Geheimdienste seien zu der Überzeugung gelangt, dass die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad mehrfach „in geringem Umfang“ Giftgas eingesetzt hätten.

Wenn es um die konkreten Folgen dieser neuen Sachlage geht, bleibt die US-Regierung im Ungefähren. „Den Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft stehen eine Reihe von rechtlichen, finanziellen, diplomatischen und militärischen Antworten zur Verfügung“, erklärte Rhodes. Der Präsident habe bereits zusätzliche „nicht-tödliche“ Unterstützung der Rebellen angeordnet. Außerdem solle der Oppositionsbewegung „militärisch“ geholfen werden.

Obamas Optionen in Syrien sind aber begrenzt. Ein Einsatz von US-Soldaten ist kaum denkbar. „Ich kann kein Szenario erkennen, bei dem amerikanische Truppen in Syrien für die USA oder Syrien gut wären“, sagte der Präsident im vergangenen Monat selbst. Die zähen Einsätze in Afghanistan und im Irak nach den Anschlägen vom 11. September haben die US-Bevölkerung interventionsmüde gemacht. Außerdem brodelt in Syrien ein ethnisch-religiöser Konflikt wie jener, an dem die US-Armee bereits im Nachbarland Irak gescheitert ist.

Eine Flugverbotszone dagegen schließt das Weiße Haus nicht aus – diese dürfte anders als vor zwei Jahren in Libyen aber nicht mit dem Plazet der Vereinten Nationen zustande kommen. Im UN-Sicherheitsrat stellt sich Russland schützend vor Assads Regierung. Die Chemiewaffenvorwürfe aus Washington wies die russische Regierung umgehend zurück. „Was von den Amerikanern präsentiert wurde, erscheint uns nicht überzeugend“, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow.

Bleiben Waffenlieferungen an die syrische Oppositionsbewegung – ein Mittel, das auch Frankreich und Großbritannien für angebracht halten. Bislang stand die US-Regierung diesem Schritt skeptisch gegenüber, weil sie fürchtet, dass die Waffen in die Hände von Islamisten fallen könnten. Rhodes äußerte sich dazu nicht ausdrücklich und erklärte, dass Obama in den kommenden Wochen mit dem Kongress über das weitere Vorgehen beraten werde.

Seite 1:

Wie Obama in Syrien eingreifen könnte

Seite 2:

Waffenlieferungen an moderate Rebellen?

Kommentare zu " Bürgerkrieg: Wie Obama in Syrien eingreifen könnte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Obama sollte eigentlich wissen, dass Syrien nicht mehr zu retten ist wenn es überhaupt sich retten lassen will. Es ist Übungsgebiet für Terroristen unter realen Bedingungen im Kampf gegen Amerikaner und Europäer. Noch mehr Waffen in das Krisengebiet wäre ein Fehler. Durch Westerwelle der zu allen
    Problemen immer die gleichen Sätze meist verwendet, sage ich,hören sie auf Deutsche Bürger der Lächerlichkeit preiszugeben. Sie sind FDP Außenminister mehr nicht.! Sie
    sprechen nicht für alle Bevölkerungsteile. Deutschland hat
    nichts zu sagen auf dem Spielfeld der Großen und das ist nach 2 Kriegen auch gut so. Sollen die sich die Köpfe einhauen.

  • Liebe Redaktion, jeder außer Euch (???) weiß, daß dies kein "Bürgerkrieg" ist - so wie es z.B. in Bahrain war - sondern ein gezielter, von außen vorgebrachter und durch westliche (und arabische) Interessen (es geht beim gesamten "arabischen Frühling" um Gas-Vorkommen und Pipelines) finanzierter Terror-Krieg - und zwar durchgeführt von Terror-Organisationen, die der "Krieg des Terrors" der USA vorgibt zu bekämpfen. Also bitte beleidigt nicht unsere Intelligenz durch eine solche Wortwahl.

    Die damalige Kriegspropaganda der vereinigten deutschen Presse im Vorfeld der Libyen-Bombadierungen der Nato war Schande genug. Das müßt Ihr künftig nicht noch toppen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%