Bürgerkriegsähnliche Zustände
Erneutes Blutvergießen im Irak

Zwei Autobomben in Bagdad töteten am Montag erneut sieben Zivilisten. Schon am Wochenende hatten zwei Bomben in einer schiitischen Moschee sowie anschließende Vergeltungsanschläge gegen Sunniten etwa 60 Todesopfer gekostet. Die Angst vor einem Bürgerkrieg wächst.

HB BAGDAD. Bei zwei Autobombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Montag sieben Zivilisten getötet worden. Nahezu gleichzeitig kam es in einem schiitischen Viertel der Stadt zu weiteren Explosionen, bei der mindestens 17 Personen verletzt wurden.

Erst am Sonntag waren in einer schiitischen Moschee in Bagdad zwei Autobomben hochgegangen und hatten 19 Menschen getötet. Am gleichen Tag hatten bewaffnete Schiiten in der Hauptstadt mindestens 41 Sunniten getötet und damit offenbar Vergeltung für einen anderen Anschlag auf eine Moschee von Schiiten am Samstag geübt. Vermummte Bewaffnete, vermutlich schiitische Milizionäre, hatten im Stadtteil Dschihad Fahrzeuge gestoppt oder Fußgänger von der Straße aufgegriffen, so teilten die Polizei und Augenzeugen mit. Wer anhand seines Namens im Ausweis als Sunnit identifiziert werden konnte, wurde erschossen.

Irakische und US-Soldaten riegelten den Stadtteil Dschihad ab. Die US-Truppen verhängten per Lautsprecherdurchsagen ein zweitägiges Ausgehverbot. Der irakische Präsident Dschalal Talabani rief die Bevölkerung zur Ruhe und zur nationalen Einheit auf. Man dürfe nicht zulassen, dass solche Gewalttäter die Nation provozierten und spalteten. Der stellvertretende Ministerpräsident Salam Sikam Ali al Subaie, ein Sunnit, machte die irakischen Sicherheitskräfte für dieses „hässliche Massaker“ verantwortlich. Es wird vermutet, dass die Sicherheitskräfte von schiitischen Milizionären unterwandert sind.

Andere Repräsentanten der Sunniten legten die Bluttat der Mahdi-Armee des schiitischen Predigers Muktada al Sadr zur Last. Dieser verurteilte das Massaker aufs Schärfste und betonte, seine Organisation habe nichts damit zu tun. Er forderte am Sonntagabend eine Sondersitzung des Parlaments. Es gehe darum, „das Komplott des Westens zu zerstören, das darauf abzielt, einen Bürgerkrieg unter Brüdern anzufachen“.

Beobachter sind besorgt, dass diese Dynamik von Gewalt und Gegengewalt zwischen Sunniten und Schiiten das Land in einen Bürgerkrieg treibt.

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