Bürgermeister umgehen Vorgaben der Zentralregierung: Peking bremst Konjunktur – Provinzfürsten halten dagegen

Bürgermeister umgehen Vorgaben der Zentralregierung
Peking bremst Konjunktur – Provinzfürsten halten dagegen

Der Bürgermeister der ostchinesischen Kreisstadt Danyang hat ein großes Problem. Wang Run Liang hat den Regierungsbericht von Ministerpräsident Wen Jiabao angehört. Und Wen verkündete nichts Gutes. Chinas Zentralregierung will die heiß gelaufene Turbokonjunktur abkühlen. Im vergangenen Jahr ist die Wirtschaftsleistung um 9,1 Prozent gewachsen, in diesem Jahr sollen es nicht mehr als 7 Prozent werden.

PEKING. Im Februar hat die Industrie gut 23 % mehr produziert als im Januar. Die Industrieproduktion macht etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Peking will nun nicht nur die Banken zu einer restriktiven Kreditvergabe zwingen; zudem soll der Verbrauch von Boden für die Industrie verringert werden. Doch für Tausende von Städten wie Danyang in Chinas Hinterland ist reichlich verfügbares Land bislang neben billigen Arbeitskräften und Steuerprivilegien das wichtigste Lockmittel für Investitionen. Die lokale Konjunktur muss brummen, damit neue Jobs entstehen, sonst drohen soziale Unruhen. „Wir haben nur eine Chance“, sagt Bürgermeister Wang, „wir müssen die Effizienz der Bodennutzung erhöhen, und zwar um 30 bis 50 %.“ Der Plan des 40-Jährigen: Mehr Hightech-Industrie ansiedeln.

Das werden auch Tausende anderer Bürgermeister in China tun und dem Land damit einen neuen Technologieschub verschaffen. „Ein japanischer Analyst saß vergangene Woche bei mir im Büro“, erzählt der Chinachef der BASF in Peking, Jörg Wuttke: „Er hat im ganzen Land 21 Projekte für Ethylen-Cracker gezählt.“ Diese wirkten auf ehrgeizige Bürgermeister in ganz China „wie das Licht auf die Motten“. Wenn er derzeit in die boomenden Ostküstenprovinzen fährt, sieht sich Wuttke „einem Spießrutenlauf“ unter den Bürgermeistern ausgesetzt.

China will den Aufstieg auf der Technologieleiter beschleunigen und hat große Pläne: Im Sommer will der größte Chiphersteller des Landes, Semiconductor Manufacturing International, sein Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq geben. Innerhalb eines Jahres wird voraussichtlich mit TD-SCDMA der erste von China entwickelte Standard in der Telekomindustrie eingeführt. Der Chemieriese Sinopec, der in Nanjing mit BASF für 3 Mrd. Dollar eine der größten chemischen Verbundanlagen Chinas baut, will Industrie-Insidern zufolge die nächste Generation von Ethylen-Anlagen ohne ausländische Hilfe hochziehen.

Das Know-how haben die Chinesen bei westlichen Konzernen wie ABB gekauft. Und Chinas führender Ölkonzern Petro-China baut die 4 000 Kilometer lange Gaspipeline von Xinjiang nach Schanghai ohne ExxonMobil, Royal Dutch/Shell und Gazprom fertig. Die Gasröhre ist eines der weltweit größten Pipeline-Projekte.

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