Bürgermeisterwahl
Exzentriker kämpfen in London um die Spitze

Die Bürgermeisterwahl in der 7,5-Millionen-Stadt London ist die spannendste Wahl seit einem Jahrzehnt in Großbritannien. Nach elf Jahren Labour-Dominanz könnte sie den Machtwechsel im ganzen Land signalisieren. Wahlforscher spielen die Bedeutung dieser Wahl herunter: Es sei ein Persönlichkeitswahlkampf zweier Exzentriker, die untypisch für ihre Parteien sind.

LONDON. „Bessere Hinweise auf den Stand der öffentlichen Meinung gibt die Wahl für das Londoner Stadtparlament“, sagt Colin Rallings von der Universität Plymouth. „Wenn London sich auf die Achterbahnfahrt mit dem Tory Boris Johnson einlässt, signalisieren die Wähler, dass sie zum Risiko des Machtwechsels bereit sind“, glaubt dagegen Anne McElvoy, Kommentatorin des Londoner „Evening Standard“.

Johnson, Tory-Parlamentarier und Journalist, liegt laut einer am Dienstag im „Guardian“ veröffentlichten Umfrage mit 43 Prozent der Erststimmen einen Punkt vor Ken Livingstone, könnte mit Hilfe von Zweitstimmen aber seinen Vorsprung ausbauen. Eine „Yougov“-Umfrage gab Johnson einen Vorsprung von elf Prozent. Prognosen sind bei Londons ethnisch schillernder Bevölkerung allerdings schwierig.

Ursprünglich war Livingstone Favorit. Seine Amtszeit seit 2000 fällt mit Londons Aufstieg zur globalen Hauptstadt zusammen „vielleicht sogar noch vor New York“, wie er stolz behauptet. Er hat sich trotz seiner Verbindung zur Ultralinken bestens mit der City und der Finanzindustrie arrangiert und gleichzeitig mit einer „Regenbogenkoalition“ von Einzelgruppen seine Wählerbasis abgesichert.

„Livingstone war gegenüber Unternehmen immer pragmatisch und verständnisvoll“, bescheinigt ihm Lauren Preteceille von London First, dem Sprachrohr der Wirtschaft. Auch die Einführung der City-Maut sieht sie positiv, obwohl der Verkehr inzwischen wieder so langsam läuft wie ehedem: „Das vor allem muss der Bürgermeister in den Griff bekommen“.

Als wichtigste Aufgabe für den Bürgermeister sieht sie aber, dass er „international und national für London eintritt“. Londons Wettbewerbsfähigkeit ist nicht gesichert. Gefahren drohen von der Finanzkrise, der maroden Infrastruktur, der Steuerpolitik der Labourregierung. Der Pharmakonzern Shire Pharmaceutical und die Mediengruppe UBM werden aus Steuerprotest nach Irland umziehen. Yahoo hat sein europäisches Hauptquartier in die Schweiz verlegt.

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