Bukarest ist attraktiver Standort
Rumäniens Präsident wirbt in Berlin um Investoren

In Mittel- und Osteuropa gehört Rumänien zu den attraktivsten Standorten für ausländische Direktinvestitionen. Von den 15 Mrd. Euro, die 2004 in diese Region flossen, gingen allein vier Milliarden in dieses Land. Das Londoner Institut „Economist Intelligence Unit“ und die Osteuropabank (EBRD) erwarten, dass das Interesse europäischer Unternehmen für Rumänien sogar noch zunehmen wird.

HB BUKAREST. Als Grund führen sie vor allem die geringen Lohnkosten, die attraktive Körperschaftsteuer von 16 Prozent, die Größe des einheimischen Marktes mit 20 Mill. Bürgern und die Nähe zum Westen an.

Bei seinem heutigen Besuch in Berlin will Staatspräsident Traian Basescu deutsche Firmen noch stärker für ein Engagement in seiner Heimat gewinnen. Der liberale Demokrat Basescu hatte erst vor drei Monaten den Altkommunisten Ion Iliescu als Staatsoberhaupt abgelöst. Schon jetzt sind Unternehmen wie Eon, Ruhrgas und RWE an der Privatisierung des Energiesektors beteiligt. Deutsche Autozulieferer, Textilhersteller, Möbelproduzenten und Finanzdienstleister verdienen gutes Geld in Rumänien. Wirtschaftsminister Ioan Codrut Seres sieht Chancen für ausländische Anbieter auch bei der Privatisierung von Chemiebetrieben, dem Ausbau der Kernenergie sowie der Modernisierung der Infrastruktur. „Das Land braucht bessere Straßen, mehr Wohnungen, eine moderne Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, sowie mehr Umweltschutz“, sagte er dem Handelsblatt. Dirk Rütze, geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer, spricht von einem regelrechten Bauboom, der auf das Land zukomme.

So stehen Präsident Basescu und die neue Regierung von Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu unter einem starken Erfolgsdruck. Tariceanus Kabinett, das zu Jahresbeginn die frühere sozialdemokratische Regierung unter Andrian Nastase abgelöste, wird von den Nationalliberalen und den Demokraten gebildet sowie von zwei kleineren Parteien unterstützt. Das Durchschnittsalter der Minister ist mir 42 Jahren relativ niedrig. Dabei liegen die Hoffnungen des Landes vor allem auf den pragmatisch und leistungsorientierten Kabinettsmitgliedern wie Außenminister Mihai Razvan Ungureanu, Wirtschaftsminister Seres, Finanzminister Ionut Popescu und Justizministerin Monica Macovei.

Die ausländischen Investoren tragen auch zur guten Konjunktur in Rumänien bei. Nach Angaben des Nationalen Statistikinstituts INS ist das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr real um 8,3 Prozent gestiegen. Die höchsten Zuwächse erzielten Holzverarbeitung, Chemie, Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Metallurgie. Gabor Hunya vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche erwartet, dass das Wachstum vor allem wegen der sinken Agrarproduktion etwas nachlassen wird. Für 2005/06 prognostiziert er ein Wachstum zwischen 5 und 6 Prozent.

Wirtschaftsminister Seres erwartet, dass der Beitrittsvertrag Rumäniens mit der EU wie vorgesehen am 25. April unterzeichnet wird. Im Vorfeld, so der EU-Delegierte Onno Simons in Rumänien, werde auch das Europäische Parlament seine Zustimmung geben. „Allerdings werden die Straßburger Abgeordneten die Brüsseler Kommission auffordern, die Reformentwicklung in Rumänien bis zum geplanten Beitritt im Jahr 2007 sehr scharf zu kontrollieren“, betont Simons. Schon jetzt unterliegt Rumänien einer strengen Aufsicht durch die EU insbesondere in die Justiz, Verwaltung und der wirtschaftliche Wettbewerb.

Die neue Regierung hat vor allem der Korruption einen scharfen Kampf angesagt. Bei der Annäherung an die EU kann sie sich auf große Zustimmung der Bevölke-rung stützen. „Kein Anwärterstaat denkt so positiv über die EU wie Rumänien“, berichtet Simons.

Wahrscheinlich kommt es Mitte des Jahres auch zu einer Einigung zwischen Internationalem Wäh-rungsfonds (IWF) und Rumänien über ein neues Beistandsabkommen. So hat man sich in der vergangenen Woche schon auf Eckwerte für den Staatshaushalt und weitere Veränderungen des Steuersystems geeinigt. Danach soll das Defizit im Staatsbudget in diesem Jahr 0,7 Prozent des BIP nicht übersteigen. Des weiteren wird die Regierung am 1. April die Verbrauchsteuern für Tabak, Alkohol und Benzin bzw. Diesel anheben. Geplant ist außerdem eine Anhebung der Kapitalgewinnsteuer. Der IWF und auch der Foreign Investment Coucil in Bukarest fordern außerdem eine weitere Liberalisierung des Arbeitsmarktes.

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