Bundespräsident
Gauck glänzt bei Besuch in Israel

Als ob er nie etwas anderes gemacht hätte: Sicher bewegt sich Bundespräsident Gauck auf dem rutschigen Parkett der Außenpolitik. Er schafft es, die heiklen Themen anzusprechen - ohne dabei seine Gastgeber zu brüskieren.
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JerusalemEr kam als Freund, der sich das Recht nimmt, kritische Fragen zu stellen: Bundespräsident Gauck, der derzeit seinen ersten offiziellen Israelbesuch absolviert, nennt die Themen beim Namen, die ihn beschäftigen, aber er wirkt weder arrogant noch belehrend. Als ob er in seinem Leben nichts anderes als Außenpolitik gemacht hätte, findet er den richtigen Ton.

So gelingt dem deutschen Präsident das Kunststück, heikle Themen wie die Siedlungspolitik oder die Reaktion auf die iranischen Atompläne offen anzusprechen, ohne dabei seine Gastgeber vor der Kopf zu stoßen. Gaucks Tischrede am Bankett, das Staatspräsident Peres gestern Abend zu Ehren des deutschen Gastes gab, war ein Beispiel dafür. Der Gast aus Berlin beschränkte sich nicht auf Floskeln wie dem Wunsch nach einem „dauerhaften Frieden“. Er umriss auch die Bedingungen dafür: Israel und ein unabhängiger, lebensfähiger palästinensischer Staat müssten Seite an Seite in Sicherheit und in anerkannten Grenzen leben können, sagte Gauck.

Ohne Israel zu kritisieren oder schulmeisterlich Empfehlungen abzugeben, wünschte er sich von dem jüdischen Staat eine Geste des guten Willens in der Siedlungspolitik. Er sei überzeugt, dass der Konflikt durch direkte Verhandlungen gelöst werden könne. Das setze aber eine gegenseitige Anerkennung von Rechten voraus. Auch den „berechtigten Belangen des palästinensischen Volkes“ müsse die Lösung Rechnung tragen. Hier wird er wohl morgen anknüpfen, wenn er zu Präsident Mahmoud Abbas und Premier Salam Fajah in Ramallah reist. Zunächst wird er aber heute hören, was Premierminister Benjamin Netanjahu von dieser Formulierung hält.

Gleichzeitig zeigte Gauck Verständnis für die Angst der Israelis vor dem iranischen Atomprogramm. Dieses erfülle ihn mit großer Sorge, besonders in Anbetracht der Drohungen der iranischen Regierung: „Dieses Programm ist eine reale Gefahr nicht nur für Israel, sondern für die ganze Region und auch für Europa“. Auch hier verstand es Gauck, die Drohgebärden eines israelischen Erstschlags zu kritisieren, ohne dabei arrogant zu wirken. Deutschland und dessen Partner würden auf die diplomatische Lösung setzen, um echte Resultate zu erzielen – „Resultate, die den Frieden garantieren werden“.

Gauck sei es trotz seiner Offenheit gelungen, sich Sympathien in der israelischen Bevölkerung zu verschaffen, sagt ein Beobachter in Jerusalem. Gauck habe sich Respekt verschafft. Obwohl sich die Beziehung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu im vergangenen Jahr abgekühlt hat, sei Deutschland nach wie vor ein „wichtiger Freund“, heißt es in Jerusalem.

Der Bundespräsident beschränkte sich nicht auf Politik, sondern gab seinem Besuch auch symbolische Inhalte. Er hat sich einen Terminplan zusammenstellen lassen, der die üblichen Protokolltermine israelischer Staatsgäste ergänzt. Heute bespricht er sich mit Emigranten aus Deutschland und besucht das Weizmann Institut in Rechovot. Auf seinen Wunsch traf er gestern den israelischen Schriftsteller David Grossman der mit seiner scharfen Kritik an der israelischen Regierung öfters für Aufsehen sorgt. Danach nahm sich Gauck Zeit für Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft von 1972, die in München den Terrorüberfall von Palästinensern überlebt haben. In der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem liess er sich während einer Stunde führen und nahm sich dann mehrere Minuten Zeit für einen Eintrag ins Gästebuch, der mit dem emphatischen Bekenntnis endet: "Und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften."

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  • Vermutlich beim Kopieren und Einfügen passiert – hehe!

  • Die soll hassen dürfen, wer sie eben hassen will – wo sind wir denn, dass wir plötzlich alle das Maul halten müssen? – Wenn er sie hasst, hasst er sie, basta! Mir sind sie ja auch egal, solange sie mir nichts tun, diese Pseudoeliten.

  • Das ist dieser korrupten Dumpfbacke leider egal!

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