Bundeswehr im Grenzgebiet
Angst vor „heißem Krieg“ in Syrien

Angesichts der Syrienkrise wächst in Deutschland die Angst vor einem Flächenbrand. Entscheidend könnten die Giftgaskontrollen der Vereinten Nationen sein. Präsident Assad warnt den Westen vor einem Militäreinsatz.
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BerlinSyrien beugt sich internationalem Druck und erlaubt vier Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff von Damaskus mit hunderten Toten nun doch eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen. Die USA und Großbritannien erklärten am Sonntag aber umgehend, das Einlenken komme zu spät, da inzwischen wohl viele Beweise zerstört wurden. Mittlerweile sind die Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen von Damaskus aus aufgebrochen, um die angeblich mit Giftgas bombardierten Gebiete in Augenschein zu nehmen.

Doch mehrere Staaten bereiteten sich bereits auf die Möglichkeit eines Militärschlags vor. Denn darüber, dass das Regime von Präsident Baschar al-Assad tatsächlich Chemiewaffen einsetzte, herrschen unter anderem im Weißen Haus „kaum noch Zweifel“. Die Regierung in Washington unterstrich ihre Position mit der Entsendung eines vierten Zerstörers ins östliche Mittelmeer, von wo aus Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen werden könnte. Auch Großbritannien, Frankreich, die Türkei und Israel drangen auf ein rasches militärisches Vorgehen, sollten sich die Chemiewaffenvorwürfe bestätigen. „Alle Optionen stehen offen. Die einzige nicht vorstellbare Option wäre, nichts zu tun“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Montag dem Radiosender Europe 1. Kanzlerin Angela Merkel lies am Montag über Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten, dass der vermutete Giftgasangriff Konsequenzen haben müsse. Zu einem möglichen militärischen Eingreifen des Westens sagte Seibert nichts.

Russland hat die USA mit Nachdruck vor einer militärischen Einmischung in den Syrienkonflikt gewarnt. Eine Intervention würde die Friedensbemühungen zerstören, sagte Außenminister Sergej Lawrow einer Mitteilung vom Montag zufolge in einem Telefonat mit seinem Amtskollegen John Kerry. China hat sich nach anfänglicher Zurückhaltung nun doch für eine Untersuchung der Vorwürfe über einen Giftgasangriff in Syrien durch UN-Inspektoren ausgesprochen. Die Volksrepublik habe die Berichte über einen Einsatz von Chemiewaffen innerhalb Syriens intensiv verfolgt, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad warnte in einem Interview einer russischen Zeitung den Westen vor einer Militäroffensive in seinem Land. Das Szenario der arabischen Revolutionen habe sich überholt, sagte Assad der kremlnahen Zeitung „Iswestija“ (Montag). „Was in Syrien passiert, ist keine Volksrevolution und keine Forderung nach Reform. Das ist Terrorismus“, betonte der Machthaber. Assad wies Vorwürfe zurück, dass er Chemiewaffen gegen seine Gegner einsetze. „Das ist Nonsens“, meinte er.

Zugleich wies er darauf hin, dass Russland seine Rüstungsverträge mit Syrien erfülle. Auch die Türkei ist bereit, sich an einer militärischen Koalition für ein internationales Vorgehen gegen das Assad-Regime zu beteiligen. Sein Land sei zwar dafür, auf Grundlage von UN-Entscheidungen zu handeln, zitierten türkische Medien am Montag Außenminister Ahmet Davutoglu. Wenn es im Weltsicherheitsrat aber keine Entscheidung gebe, kämen Alternativen auf den Tisch.


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  • Bis 1989 drohte Deutschland zum Schlachtfeld der früheren Alliierten zu werden. Sich selbst schonen wollend, wurde der Massenabwurf von Atomwaffen auf deutsches Territorium geplant. Kernwaffen mit Kobaltmantel sollten langdauernde Strahlungsschäden verursachen und jenen Menschen ein qualvolles Dahinsiechen bescheren, die den Erstschlag überlebt hätten. Die Geschichte brachte die Wende und mit ihr die Verlagerung des Kernwaffenspielplatzes gen Nahost und Mittelasien. Viele, denen das Hemd näher als der Rock ist, haben die geografische Verschiebung begrüßt. Kriege gab es jederzeit. Dabei galt: je größer die Anzahl der Toten, Verstümmelten und Entwurzelten - desto größer die nachfolgende Friedensbereitschaft. Mancher Ungeist hat diese Auffassung wohl zur Überwindung letzter persönlicher Hemmungen nur allzu gern ausgenutzt - ausgenutzt für brutalste Kriegsführung bis hin zur Entsorgung seines Atommülls inmitten dicht besiedelter Landstriche. Inzwischen sind auch die Ehrfurcht vor Gott und Furcht vor seiner Strafe nur noch Staffage, weil man sich das Opfer Christi wohlfeil zu Recht gebogen hat: im lästerlichen Verständnis wird behauptet Jesus habe sich nicht nur für vergangene Schuld geopfert, sondern künftige vorsätzliche Schuld. Ich glaube als Christ jenen nicht, die den Leidensweg Christi als Freifahrtschein für Mord und Brand betrachten. Jesus ist kein Komplize der Gotteslästerer, wenn deren irdische Zeit abgelaufen ist. Das ist gut so. Falls mich Gott einst aufnehmen sollte, hoffe ich nicht, jenen begegnen zu müssen, die ihr irdisches Dasein dem Teufel gewidmet hatten. Das Opfer am Kreuz wurde für die Menschheit - auch für Muslime - erbracht. Es verpflichtet zur Bewältigung des Syrien-Konflikts im Sinne der Gebote und der Schöpfung. Deshalb erwarte ich, dass Assad unverzüglich zurücktritt, ausländischen Mörderbanden sofort verschwinden und die Syrer unter Aufsicht der UNO-Vollversammlung in freien Wahlen ihre Geschicke selbst bestimmen.

  • Syriens Präsident Bashar al-Assad hat in einem Fernsehinterview den Westen vor der Unterstützung terroristischer Gruppen in seinem Land gewarnt. “Der Westen hat die Al-Kaida in Afghanistan in ihrer Anfangsphase unterstützt und später einen hohen Preis dafür bezahlt. Heute unterstützt er die Al-Kaida in Syrien, Libyen und an anderen Orten. Dafür wird er später den Preis im Herzen Europas und im Herzen der USA zahlen”, sagte Assad

    Warum nur,finden seine Worte kein Gehör.
    Sind Amerika und seine Helferlein UK und Frankreich
    schon dermaßen abgewirtschaftet,dass man Islamisten
    braucht um an Rohstoffe zu kommen.
    Nationale Regierungen,einfach so beseitigt.
    Wie schrieb Bettina Röhl..unter Gaddafi und Assad,
    lebten die Menschen in bescheidenem Wohlstand und
    erkennbar wirtschaftlichem Aufschwung.
    Der Frieden dieser Völker sollte Garant für Stabilität
    sein,wird aber immer wieder von Islamisten gestört.
    Hier gilt es anzusetzen..schafft den leidigen Islam
    von der Weltbühne..Frieden bringt der niemandem.

  • Assad wäre schön blöd, in seiner militärisch relativ guten Lage und bei gleichzeitiger Anwesenheit von UN-Inspektoren Giftgas einzusetzen.

    Der Sieg an der medialen Propagandafront war und ist ein extrem wichtiger Treiber für den Gesamterfolg des Kriegsteilnehmers.

    Schade, daß Präsident Assad von Anfang an kompromisslos nur
    auf brutale Gewalt setzte.

    Der Konflikt hat sich ziemlich ausgeweitet, hat viele Mitspieler mit sehr unterschiedlichen Intereessen und ist total unübersichtlich.

    Beide Seiten haben Kriegsverbrechen gemacht.

    Es scheint, daß die USA,Frankreich und England und die Türkei die (höchstwahrscheinlich) gefälschten Giftgasbeweise als Vorwand für einen militärischen Angriff auf Syrien nutzen wollen.

    Die Terroristen auf seiten der Rebellen werden sich freuen.

    Ich kann nur sagen: STOP !
    Wir dürfen uns von den Kriegstreibern nicht in ein millitärisches Abenteuer mit unabsehbaren Folgen locken
    lassen, wobei die Region auf lange Zeit destabilisiert
    würde, und der internationale Terrorismus ein neues Rück-
    zugsgebiet bekäme.

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