Bundeswehr in Afghanistan
300 Spezialisten sollen den Abzug organisieren

1700 Fahrzeuge und 6000 Container müssen mit dem Abzug der Bundeswehr zurück nach Deutschland gebracht werden. 300 Spezialisten sollen die logistische Herkulesaufgabe meistern. Den Truppenabzug soll das nicht bremsen.
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Masar-i-ScharifZur Organisation des Bundeswehr-Abzugs aus Afghanistan schickt Verteidigungsminister Thomas de Maizière etwa 300 Spezialisten an den Hindukusch. Trotzdem werde die Gesamtzahl deutscher Soldaten im kommenden Jahr deutlich sinken, sagte der CDU-Politiker am Dienstag während seines Afghanistan-Besuchs. Über die genaue Truppenreduzierung will das Kabinett am 28. November entscheiden. Anschließend hat der Bundestag das letzte Wort.

Das für Anfang nächsten Jahres fällige neue Mandat sehe zunächst 4400 Soldaten vor. "Wie das neue Mandat dann Anfang 2014 endet, da müssen sie sich noch ein bisschen gedulden", sagte de Maizière zu mitreisenden Journalisten. In der Zahl 4400 seien bereits zusätzlich benötigte Kräfte enthalten. Diese lägen im Schnitt bei 300 Mann und würden etwa für die neuen Sanitätshubschrauber und den Kampfhubschrauber "Tiger" gebraucht.

Nicht festlegen wollte sich de Maiziere darauf, in welchem Umfang die Bundeswehr nach 2014 im Land vertreten sein wird. "Für Zahlen ist es noch zu früh", sagte er. Dies hänge weniger von den für Beratung und Unterstützung eingesetzten Soldaten ab, da deren Zahl nicht so groß sein werde. Ausschlaggebend sei vielmehr: "Wie wird die Sicherheitslage sein? Wie hoch wird der Eigenschutz sein? Wer sorgt für die Infrastruktur?" Auch müsse international koordiniert werden, wer für die Sanitätsversorgung, die Fernmeldeverbindung, Transport und Ernährung sorge. Dies alles könne die Zahl beeinflussen und müsse mit den Partnern abgestimmt werden.

Derzeit sind am Afghanistan-Einsatz 4800 deutsche Soldaten beteiligt. Seit mehreren Jahren übertragen die Soldaten der Nato-Truppe ISAF den einheimischen Sicherheitskräften immer mehr Aufgaben, um sie langsam soweit zu bringen, dass sie die Verantwortung für die Sicherheit im gesamten Land tragen können.

Der Abzug aus Afghanistan ist eine massive logistische Herausforderung. Bis Ende 2014 muss die Bundeswehr bis zu 1700 Fahrzeuge und 6000 Container aus dem Land schaffen. Der Truppenabzug hat bereits Anfang des Jahres begonnen. Bis Ende Januar 2013 sollen von den einst bis zu 5350 deutschen Soldaten noch 4400 übrig sein.

Als weiteren Beleg für die verbesserte Sicherheitslage im Norden des Landes besuchte de Maizière an seinem zweiten Besuchstag die blaue Moschee mitten in der Großstadt Masar-i-Scharif. Begleitet wurde er vom Provinzgouverneur Mohammad Atta. „Wir können nicht von angemessener Sicherheit reden und uns selber nicht danach verhalten“, sagte der Minister.

Im April vergangenen Jahres hatte ein Mob in Masar-i-Scharif bei Protesten gegen eine Koran-Verbrennung in den USA sieben ausländische UN-Mitarbeiter getötet. Insgesamt gilt die boomende Nord-Metropole mit etwa 270. 000 Einwohnern aber als vergleichsweise sicher. Im ganzen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan ereignen sich nur drei Prozent aller Anschläge und Angriffe der radikal-islamischen Taliban auf afghanische und internationale Sicherheitskräfte.

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