Bundeswehr-Soldat über Schädelfotos
„Wer nicht mitmachte, war ein Weichei“

Erstmals hat sich einer der deutschen Soldaten geäußert, der an den Toten-Schändungen in Afghanistan beteiligt war. Er stellt das Posieren mit menschlichen Überresten als eine Art Männlichkeitsritual dar. Beunruhigend für die Bundeswehrführung dürfte das Motiv sein, das der Mann angibt.

HB BERLIN. Der Mann gab der „Bild“-Zeitung, die erste Fotos mit Schädel-Schändungen abgedruckt hatte, ein Interview. Er wollte anonym bleiben; auf einem Foto ist er nur verhüllt zu sehen. Der Soldat war war eigenen Angaben bei der Patrouille dabei, bei der die obszönen Aufnahmen entstanden. Es wird offen gelassen, ob der Mann noch in der Bundeswehr dient.

Nach seinen Worten gab damals der Patrouillenführer den Befehl zum Anhalten. Auf die Frage, ob es bei der Schändung eine Art Gruppenzwang gegeben habe, sagte der Mann: „Zwang würde ich nicht sagen. Aber es war schon so: Wenn man das nicht mitmacht, heißt es: Du Weichei, was stellst du dich so an.“

Auf die Frage, wie er sich das Posieren mit dem Schädel erkläre, antwortete der Mann: „Es war sehr angespannt. Wir waren nervös. Es gab mehrmals Unglücke und Anschläge. ... Es zerrt an den Nerven, wenn man immer wieder damit konfrontiert wird, dass sowohl Leute von der eigenen Armee als auch von den alliierten Truppen regelmäßig verletzt werden. Beziehungsweise unter anderem ja auch gestorben sind. Ich vermute, dass die Hemmschwelle deshalb auch heruntergesetzt war. Dass die Angst einfach aus dem Inneren rauskommt.“

Das Gelände, von dem der Schädel stammte, beschrieb der Mann als eine große Kiesgrube. Dort hätten Afghanen Lehm abgegraben, den sie für Ziegel benötigt hätten. „Dabei kamen diese ganzen Knochen raus. Es war kein Friedhof, keine Kultstätte“. Die Afghanen hätten beim Lehmabbau „regelmäßig das Zeug umeinander geworfen“, sagte er in Bezug auf die Gebeine. „Da die das nicht als besonders schlimm empfanden, hat sich die Patrouille auch nicht weiter etwas dabei gedacht. Sonst hätte es mit Sicherheit schon früher Ärger durch die Afghanen gegeben.“

Nach einer Mitteilung der Potsdamer Staatsanwaltschaft wird im Zusammenhang mit den ersten Fotos gegen sieben statt bisher sechs deutsche Isaf-Soldaten als mögliche Beteiligte ermittelt. Der Skandal um die Fotos von Totenschändungen durch Bundeswehrsoldaten hatte sich am Donnerstag ausgeweitet. Dem Sender RTL wurden Fotos zugespielt, die deutsche Soldaten in Afghanistan erneut in schockierenden Posen mit einem Totenschädel zeigen. Die Aufnahmen seien jüngeren Datums als die zunächst in der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Bilder, teilte der Sender mit.

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