Bundeswehreinsatz im Kongo
„Das kann sich hier schnell ändern“

Radiowerbung, Poster und Muskelspiele: Für die Bundeswehr-Soldaten im Kongo wird es diese Woche ernst. Am Sonntag ist Wahl, und was dann passiert, weiß niemand. Eine Handelsblatt-Reportage.

KINSHASA. Ausgerechnet an ihrem Geburtstag ist sie in Kinshasa gelandet, und nun ringt die Sanitäterin der Bundeswehr um Worte, um ihren ersten Eindruck zu beschreiben. „Armut“, sagt sie, „Menschenmengen“, „bedrückend“ – dabei schüttelt sie leicht den Kopf, als könne sie noch nicht glauben, was sie da eben auf der Fahrt vom Flughafen ins Hauptquartier der Eufor gesehen hat. Schließlich findet sie doch noch einen Satz: „Das ist so ein Gesamtelend.“ Sie nickt. Ja, das passt.

Ein Kollege, der auch schon in Somalia war, sagt es so: „Ich bin zum sechsten Mal im Auslandseinsatz und muss sagen, ich habe mich noch nie so unwohl gefühlt.“ Da sind Gesten aus der Bevölkerung wie der Finger, der quer über den Hals gezogen wird. Da sind brennende Müllhalden vor der Mauer des Camps, die beißende Dämpfe in die Augen treiben.

Deutsche Soldaten im Kongo – das ist einer der umstrittensten Auslandseinsätze der Bundeswehr. Diese Woche wird es ernst. Am Freitag, wenn auch die letzten der 2 000 Soldaten der EU-Truppe Eufor in Kinshasa angekommen sind, beginnt der Einsatz offiziell. Am Sonntag wird im Kongo gewählt – es ist die erste demokratische Wahl seit 40 Jahren.

Damit es dabei und danach ruhig bleibt in dem von Bürgerkriegen geplagten Land, sind die 780 Bundeswehrsoldaten hier.

Einen Vorgeschmack dessen, was nach denWahlen – vielleicht – passieren könnte, bekamen sie gestern, als sich Hunderte Oppositionsanhänger Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Sie rissen Wahlplakate herunter, forderten eine Verschiebung der Wahl, riefen „Freiheit! Freiheit!“ und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Molotow-Cocktails. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor.

Eufor griff nicht ein. Die Truppe der EU ist das letzte Glied in einer Sicherungskette, an vorderster Front steht Kongos Polizei. Wenn die überfordert ist, soll die kongolesische Armee einschreiten. Und falls auch die es nicht schafft, ruft sie die Truppen der Uno im Kongo zu Hilfe. Und erst wenn die 17 000 Mann starke „Monuc“ Hilfe braucht, ist Eufor dran.

Das bedeute aber nicht, sagt Henning Bess, Vize-Kommandant der Europäer, dass das Land kurz vor einem Bürgerkrieg stehe, wenn die Eufor gerufen wird. „Überall da, wo Monuc nicht genug Kapazitäten hat, wird Eufor eingesetzt“, sagt der Admiral, der die Sicherheitslage mit einem wenig beruhigenden „ruhig, aber das kann sich schnell ändern“ umschreibt.

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