Bundeswehreinsatz im Kongo
Sechs Ampeln, zwölf Millionen Einwohner

Diese Woche entscheidet das Bundeskabinett über den Bundeswehreinsatz im Kongo. Das Handelsblatt war zu Besuch in Kinshasa, wo die Truppe stationiert werden soll.

KINSHASA. Das fängt ja gut an. Eben noch hatte der füllige Libanese den Verlust seines Koffers achselzuckend akzeptiert. Doch nun redet er sich immer lauter in Rage. Und der Beamte, der an einem kleinen Plastiktisch die Verlustmeldungen notiert, gerät nun seinerseits in Wut und schreit noch lauter zurück. Mit geballter Faust bauen sich beide voreinander auf.

Erst im letzten Moment verhindern zwei Sicherheitsleute Schlimmeres. „Nur nicht gleich zur Ankunft ein „rumble in the jungle“, raunzt ein Ingenieur aus Südafrika, dessen Gepäck auch fehlt. Ach ja, der legendäre Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman: 1974 lieferten sie sich hier in Kinshasa den denkwürdigsten Fight aller Zeiten. Damals hieß der Kongo noch Zaire und wurde von Diktator Mobutu Sese Seko beherrscht.

In den drei Jahrzehnten seit dem Kampf der Schwergewichts-Giganten ist das Land wie ein angeschlagener Boxer umhergetaumelt. Nun soll die Bundeswehr helfen, das afrikanische Land, das so groß ist wie Westeuropa, zu stabilisieren.

Diese Woche entscheidet das Bundeskabinett über die Entsendung deutscher Truppen nach Kinshasa. Ein Besuch in der Hauptstadt des Kongos zeigt, was sie erwartet. Sie werden den täglichen Kampf gegen Armut und staatliche Willkür aus nächster Nähe erleben.

Kinshasa, die Stadt am Kongo, die einst so berühmte Sportereignisse ausrichtete, hat sich in einen Slum verwandelt. Viele Bewohner sprechen längst nicht mehr von „Kin la belle“, „Kinshasa, der Schönen“, sondern von „Kin la poubelle“ – Kinshasa, der Abfallkübel.

Datieren können die „Kinois“, wie sich Kinshasas Bewohner nennen, den Beginn des Niedergangs genau: auf das Jahr 1991. Damals brandschatzten die Truppen Mobutus ihre eigene Hauptstadt, weil der Diktator wieder einmal keinen Sold zahlte. Diese Plünderungen, die sich später mehrfach wiederholten, bildeten eine Zäsur im Bewusstsein der Bewohner, sagt Gilbert Mutamba, der heute Parfüm und Wein aus Südafrika in den Kongo importiert.

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