„Bush gehört auf die Anklagebank“ – zu Besuch bei einem Anwalt des Diktators
Saddams Strategie

Jebel Amman ist eines der wenigen wirklich urbanen Viertel im jordanischen Amman. Schuhgeschäfte, Kleiderläden und Bettenhersteller liegen eng nebeneinander, dazwischen Arztpraxen, Banken und kleine Restaurants. Die Ansiedlung eines palästinensischen Flüchtlingslagers 1952 in dem mittelständischen Viertel hat dazu beigetragen, dass hier der nicht islamistisch gefärbte arabische Nationalismus dominiert. Hier hatte Saddam Hussein immer politische Freunde.

AMMAN. Zum Beispiel Mohammed Najib al-Rushdan, der im fünften Stock eines Geschäftshauses seine Anwaltskanzlei hat. Die erste Ehefrau von Saddam Hussein, Sadija, und ihre drei Töchter haben ihn und weitere Kollegen mit der Verteidigung des inhaftierten irakischen Ex-Präsidenten beauftragt.

Schon beim Betreten der Kanzlei wird deutlich, dass al-Rushdan ein Kind dieses Viertels ist. An der Wand hängt ein Plakat, das eine irakische Frau mit einem Kind im Arm zeigt. Darüber steht: „Wer Irak angreift, greift die gesamte arabische Welt an.“

Der Hausherr, ein groß gewachsener Mann im eleganten dunkelgrauen Anzug, lehnt sich hinter seinem mächtigen Schreibtisch zurück und blickt auf die Aquarelle und Ölbilder, die ausschließlich arabische Pferde zeigen. Er kann nicht verbergen, dass ihm seine politischen Überzeugungen eine starke Antriebskraft sind. „Wenn es einen fairen Prozess gäbe, würden die beiden George Bushs, Vater und Sohn, auf der Anklagebank sitzen. Und sie würden schuldig gesprochen“, deklariert er.

Er beschuldigt die USA, einen völkerrechtswidrigen Krieg begonnen zu haben, der zur völkerrechtswidrigen Besatzung Iraks und zum völkerrechtswidrigen Sturz Saddam Husseins geführt habe. „Wir würden der US-Regierung den Prozess machen“, sagt der Jurist, der in der politisierten jordanischen Anwaltskammer dem panarabisch-nationalistischen Flügel zugerechnet wird. Er ist mit einer Irakerin verheiratet.

Die Strategie des Anwaltsteams – etwa 20 Kollegen aus Jordanien, aber auch aus Europa und den USA gehören dazu – besteht darin, die Legalität des Sondertribunals in Frage zu stellen. Denn es wurde von den USA für Prozesse gegen die Größen des Baath-Regimes eingerichtet. „Das Gericht ist ein Ergebnis des illegalen Angriffs auf Irak, und daher ist alles, was daraus folgt, illegal.“ Die logische Konsequenz lautet für ihn: „Saddam Hussein ist juristisch noch immer Präsident Iraks. Wenn die Iraker ihn stürzen wollen, bitte schön.“

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