5 Bewertungen ****
20.12.2008 
Hilfspaket

Bush gibt Autokonzerne in Hände Obamas

Noch ein cleverer Schachzug des scheidenden US-Präsident George W. Bush: Er hat mit seinem Milliarden-Hilfspaket für die notleidenden Autokonzerne einen immer noch nicht auszuschließenden Konkurs in eine Periode jenseits seiner Amtszeit geschoben. Nun liegt die weitere Entwicklung in den Händen des neuen Präsidenten Barack Obama.

Barack Obama und George W. Bush wollen der Autobranche helfen. Foto: reutersLupe

Barack Obama und George W. Bush wollen der Autobranche helfen. Foto: reuters

HB WASHINGTON. Bush hat die Milliardenkredite für die US-Autoindustrie als absolut notwendig verteidigt. Bush sagte am Samstag in seiner wöchentlichen Radioansprache, die Unternehmen erhielten eine Chance zur Neuausrichtung. So werde das amerikanische Volk vor einem harten wirtschaftlichen Rückschlag in sensiblen Zeiten geschützt. "Und wir geben den amerikanischen Arbeitern die Möglichkeit, der Welt erneut zu zeigen, dass sie Herausforderungen mit Einfallsreichtum und Entschlossenheit begegnen", erklärte Bush weiter.

Die Autokonzerne erhielten drei Monate Zeit, um wieder zu überlebensfähigen Unternehmen zu werden. Wenn das nicht gelinge, werde Zeit gewonnen für ein ordentliches Konkursverfahren. Bush forderte alle Beteiligten zu Zugeständnissen auf: das Management, die Gewerkschaften, Gläubiger, Aktionäre, Händler und Zulieferer. Wenn ein Unternehmen bis Ende März keinen Plan für die Zukunft vorlegen kann, muss es das erhaltene Geld zurückzahlen. Bush erklärte, die Botschaft sei damit klar: Jetzt sei die Zeit für schwere Entscheidungen - "oder die einzige Möglichkeit ist der Bankrott".

Bush hatte der Opel-Mutter General Motors und der Ex-Daimler-Tochter Chrysler am Freitag Kredite über insgesamt 17,4 Milliarden Dollar zugesagt. Damit hat er eines erreicht: In seiner Amtszeit gehen General Motors und Chrysler nicht mehr pleite. Das langfristige Schicksal der einst stolzen amerikanischen Autoindustrie legte er in die Hände seines Nachfolgers Barack Obama.

Mit seiner Entscheidung setzte sich Bush über seine eigene marktwirtschaftliche Überzeugung hinweg. Noch einen Tag zuvor hatte er erklärt, Unternehmen müssten die Konsequenz ihrer Entscheidungen tragen und könnten auch bankrott gehen. Aber: "Dies sind keine normalen Umstände." Also sprang er über seinen Schatten und sagte die benötigten Kredite zu. Demokraten, Chrysler, GM und selbst die Autogewerkschaft UAW lobten die Entscheidung. Kritik kam dagegen aus den Reihen von Bushs Republikanern.

Obama bleiben nach seiner Amtsübernahme am 20. Januar alle Freiheiten. Seine Regierung kann dann über die Bedingungen für die Rückzahlung entscheiden, auch wenn das Geld längst ausgezahlt ist. Schließlich wurde die Zahlung von der Regierung angeordnet und nicht über den Weg eines Gesetzes erreicht.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • Reif für die Senioren-Union? 60 Jah...

    Reif für die Senioren-Union? 60 Jahre Seehofer

    Als er als Ministerpräsident nach Bayern kam, schmiss er alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett. Jetzt erreicht der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer selbst die magische Grenze. Doch das wird er durchstehen – wie er schon so manch...Bildergalerie 

  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Keine Revolution, kein Live-Blog 

02.07.2009Madagaskar

Der Aufstand gegen die Wahlfälschung hat Iran verändert, aber (noch) keine Revolution ausgelöst. Daher berichte ich hier nur noch vereinzelt über den Machtkampf in Teheran. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Die Suchmaschine mit über 200.000 Angeboten der besten Jobbörsen und Zeitungen. Weiter