Bush: "God bless his soul"
Arafat liegt in tiefem Koma

Während das israelische Fernsehen über den Hirntod des Palästinenser-Chefs Jassir Arafat berichtet, dementiert ein Pariser Kliniksprecher diese Meldung: "Arafat lebt."

HB PARIS. Ein Sprecher des Militärhospitals Percy bei Paris, General Christian Estripeau, erklärte: "Die klinische Situation von Herrn Arafat ist komplexer geworden. (...) Präsident Arafat ist nicht gestorben“ zu Gerüchten über den Tod von Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Das Kommunikee über den Zustand Arafats sei auf Wunsch seiner Ehefrau Suha „mit der gebotenen Diskretion“ formuliert worden. Nach Angaben der Ärztekreise befindet sich Arafat „in einem sehr tiefen Koma des Stadiums IV“. In der medizinischen Terminologie kann diesem Stadium noch ein fünftes, so genanntes „terminales Koma“, mit immer geringeren Gehirnströmen folgen. Dieser Zustand zwischen Leben und Tod könne „dank der Maschinen mehrere Tage oder mehrere Woche verlängert werden“.

Die Büros von Arafat und von Regierungschef Ahmed Kureia erklärten ebenfalls, Arafat sei nicht klinisch tot. Ein israelischer Fernsehsender hatte unter Berufung auf Radio Monte Carlo den Tod Arafats gemeldet. Arafats Stabschef Ramsi Churi rief daraufhin einen Reporter an: „Ich stehe hier neben dem Bett des Präsidenten. Er ist in kritischem Zustand.“

Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat seine Erklärung über den angeblichen Tod von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zurückgezogen. Juncker ziehe seine Äußerung beim Eintreffen zum Brüsseler EU-Gipfel zurück, nachdem er mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac gesprochen habe, sagte ein Sprecher Junckers am Donnerstag. Juncker hatte zuvor gesagt, Arafat sei gestorben und ihn als großen Hoffnungsträger des palästinensischen Volkes gewürdigt. Ein Sprecher der Klinik bei Paris, in der Arafat liegt, hatte zuvor Todesberichte dementiert. Chirac hatte Arafat am Nachmittag besucht.

US-Präsident George W. Bush ist am Donnerstag während einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz von der später dementierten Nachricht überrascht worden, Palästinenserpräsident Jassir Arafat sei tot. Auf die Frage eines Journalisten nach einer Reaktion sagte Bush: „Gott sei seiner Seele gnädig.“ Er fügte hinzu: „Wir werden unsere Arbeit für einen freien Palästinenserstaat, der in Frieden mit Israel lebt, fortsetzen.“

Am Donnerstag Nachmittag, kurz vor Verbreitung der Todesnachricht, stattete der französische Präsident Jacques Chirac Arafat einen Besuch ab. „Chirac sah den Präsidenten und seine Frau, der er die besten Wünsche übermittelte“, teilte sein Büro mit.

In Ramallah im Westjordanland kamen führende palästinensische Politiker zu einer Krisensitzung zusammen. Ministerpräsident Kureia und Außenminister Nabil Schaath wollten noch am Abend oder am Freitag in den Gazastreifen reisen, um einen möglichen Gewaltausbruch zu verhindern, wie ein Mitglied der Autonomiebehörde mitteilte. Die israelischen Streitkräfte wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Das Schicksal des mit dem Tode ringenden Palästinenser-Präsidenten löst ei den EU-Staaten große Sorge aus. Dänemarks Regierungschef Anders Fogh Rasmussen sagte am Donnerstag bei der Ankunft zum EU-Gipfel in Brüssel, jetzt sei eine starke und vertrauenswürdige palästinensische Führung von entscheidender Bedeutung. Schwedens Premierminister Goran Persson ergänzte: „Wir sind alle sehr besorgt.“

Der Nahost-Konflikt wird die Gipfelrunde an diesem Freitag beschäftigen. Fogh Rasmussen sagte, er erwarte von US-Präsident George W. Bush nach dessen Wiederwahl ein stärkeres Engagement im Friedensprozess. „Ich glaube, Fortschritte im Nahost-Friedensprozess sind entscheidend für den Kampf gegen Terrorismus“, sagte Fogh-Rasmussen.

Der schwer kranke 75-jährige PLO-Chef liegt seit vergangenen Freitag in einer Klinik bei Paris. Sein Zustand soll sich seit Mittwoch dramatisch verschlechtert haben. Gesichert scheint, dass Arafat am Donnerstag ins Koma fiel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%