Bush kommt unter Druck
Immer mehr Tote und von Saddam keine Spur

Langsam hinterlassen die täglichen Todesmeldungen aus dem Irak ihre Spuren. Zwar zeigen Umfragen in den USA weiterhin eine starke Unterstützung für Präsident George W. Bushs Irak-Politik, doch mit jedem Tag werden die Fragen bohrender. In den Gängen des Pentagons fällt inzwischen immer häufiger das bisher verpönte Wort vom „Guerillakrieg“, hinter dem Saddam Hussein oder seine Anhänger vermutet werden.

HB/dpa WASHINGTON. Auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der die Anschläge bisher heruntergespielt hat und dabei auch schon mal darauf verwies, dass es statistisch gesehen in Washington mehr Morde als in Bagdad gebe, hat inzwischen einen Richtungswechsel vollzogen. Zwar sieht er noch immer keinen zentral organisierten Widerstand gegen die US- Besatzungstruppen, doch wird er in seiner Wortwahl vorsichtiger. Auf die Frage, ob es sich um einen Guerillakrieg handelt, antwortete der Minister am Wochenende: „Ich weiß nicht, ob ich dieses Wort benutzen würde.“

Der designierte neue Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, John Abizaid, bringt die Priorität der Amerikaner auf den Punkt: „Wir müssen wissen, was mit Saddam Hussein ist, damit die Leute, die zu seinem Zirkel gehörten und die Gewalt gegen unsere Truppen unterstützen, wissen, dass sie keine Zukunft haben.“ Abizaid äußerte sich bei einer Anhörung im Senat zugleich überzeugt, dass die US- Truppen noch eine ganze Zeit im Irak bleiben müssen, und das eine schwierige Zeit vor ihnen liegt.

Vor allem fürchten die US-Militärs, dass sie in einen Teufelskreislauf geraten. So besteht die Gefahr, dass sie mit jedem Vorgehen gegen mutmaßliche Attentäter die Bevölkerung mehr gegen sich aufbringen. „Je länger das so weiter geht, desto gewalttätiger wird es“, prophezeite der pensionierte General Carlton Fulford in der „Washington Post“. „Wir haben das in Libanon und in Somalia gesehen - und der Irak ist eine weit größere Herausforderung, als es diese beiden Länder waren.“

Präsident Bush zeigt sich bisher von den fast täglichen Attacken nach außen unbeeindruckt. Er verweist auf den großen Erfolg der US- Truppen im Krieg gegen den Irak und auf die neuen Freiheiten, die das irakische Volk nun habe. Saddam Hussein werde über kurz oder lang gefasst, meint der Präsident.

Doch Beobachter verweisen darauf, dass Bush für seine demokratischen Kritiker angreifbar bleibt, solange Saddam nicht gefasst ist. Sie können ihm vorwerfen, weder in Afghanistan, wo sowohl Terroristenführer Osama bin Laden als auch Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar entkommen konnten, noch im Irak die Aufgabe erfüllt zu haben. Das könne Bush ebenso wie die Zweifel an der Richtigkeit seiner Darstellung der vom Irak ausgehenden Gefahr bis zur nächsten Wahl verfolgen.

Angesichts der Probleme rät Charles Pena vom angesehenen Cato-Institut zum schnellen Abzug der Amerikaner aus dem Irak. Je länger die USA dort blieben, desto mehr Iraker wendeten sich gegen die Besatzer. Deshalb müsse Bush so schnell wie möglich den Befehl zum Abzug geben, bevor sich die Lage noch verschlimmere.

Auch Debbie Brigham aus North Carolina, deren Mann im Irak dient, hofft, dass die Truppen bald abgezogen werden. Bei jeder neuen Todesmeldung aus dem Irak zucke sie zusammen, sagt sie im Fernsehsender CNN. Und vor laufenden Kameras öffnet sie einen Brief ihres Mannes, der schreibt, er wolle nur noch Hause kommen und den ganzen Mist hinter sich lassen.

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