Bush lobt deutschen Einsatz in Afghanistan
Struck befürwortet Nato-Einsatz im Irak

Bundesverteidigungsminister Peter Struck hat einen Einsatz der Nato im Irak befürwortet und damit eine Entlastung des US-Militärs in dem instabilen Land nicht ausgeschlossen. Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush überraschend das deutsche Engagement im Afghanistan gelobt und damit für eine Wiederannäherung in den belasteten Beziehungen gesorgt.

Reuters BERLIN. Ob es nun im September zu einem ersten persönlichen Gespräch zwischen Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder seit den Differenzen wegen des Irak-Krieges kommt, blieb indes offen.

Es gebe keinen Grund, einem Engagement der Allianz im Irak zu widersprechen, wenn entsprechende Uno-Beschlüsse vorlägen und die Nato um größere Verantwortungsbereitschaft gebeten würde, sagte Struck der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Eine Beteiligung der Bundeswehr schloss der SPD-Politiker nicht aus.

Bush hatte am Freitag auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld überraschend erklärt, er danke Deutschland für den Afghanistan-Einsatz. „Der Grund, warum ich das erwähne, ist, dass es gegenüber dem (Stand von) vor sechs Monaten eine Änderung darstellt. Und es ist nicht nur, dass Deutschlands Beteiligung wichtig ist, sie ist auch robust - viel robuster, als wir es erwartet hätten. Ich freue mich darauf, Kanzler Schröder dafür zu danken“, fügte Bush hinzu.

USA suchen die Nähe Europas

Die Bundesregierung hatte die Äußerungen begrüßt. „Es wird das Interesse deutlich, die über Jahrzehnte gewachsenen guten und freundschaftlichen Beziehungen weiter zu entwickeln und für die Zukunft zu stärken“, sagte ein Regierungssprecher. Zudem wurde bekräftigt, Schröder denke über eine Teilnahme an der Herbstversammlung der Vereinten Nationen (Uno) nach. „Es ist gut möglich, dass der Bundeskanzler fahren wird“, sagte ein Sprecher. Schröders Anwesenheit dort könnte Gelegenheit für ein Treffen mit Bush bieten. Die beiden Politiker haben sich seit dem Irak-Krieg nur am Rande von internationalen Treffen gesehen. Ein persönliches Gespräch gab es nicht. Die Beziehungen gelten als belastet, seit sich Schröder vor rund einem Jahr offen gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen hatte.

Struck sagte zum Thema Irak am Wochenende weiter, auch die Bundeswehr könne an einem Einsatz beteiligt werden, bei dem die Nato ähnlich wie in Afghanistan die Führung übernehmen könne: „Wenn entsprechende Nato-Beschlüsse vorliegen, könnte es bedeuten, dass wir gefragt werden. Dann obliegt es der nationalen Regierung, eine Antwort zu geben.“ Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies aber nur eine „theoretische Frage“. Struck hatte bereits vor Monaten eine Beteiligung nicht ausgeschlossen und ebenfalls auf einem Uno-Mandat beharrt.

Angesichts der angespannten Lage im Irak und der hohen Kosten der US-Besatzung sind in den USA zuletzt Forderungen nach einer Beteiligung der Europäer lauter geworden. Seit dem offiziellen Ende der Kämpfe am 1. Mai sind bereits Dutzende Besatzungssoldaten ums Leben gekommen. Der Einsatz im Irak kostet die USA monatlich rund vier Milliarden Dollar.

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