Bush-Protest
Der Feind in seinem Dorf

Es ist ein Ritual geworden. Kriegsgegner haben sich für ihre Proteste wieder den kleinen Ort Crawford in Texas ausgesucht, wo US-Präsident Bush seinen Sommerurlaub verbringt. Unter ihnen befindet sich auch die beharrlichste Gegnerin des US-Präsidenten. Dieses Mal will sie bleiben.

CRAWFORD. Es ist gerade kurz nach zehn, und Tiffany Burns ist schon das erste Mal an diesem Tag den Tränen nahe. „Das hier ist ein freies Land, da darf ich doch wohl noch im Straßengraben sitzen und mein Plakat hochhalten, wenn George Bush an mir vorbeifährt“, fleht sie. Doch es hilft alles nichts. Die drei Uniformierten, die sich vor ihr aufgebaut haben, drohen mit Arrest, und schließlich trollen sich Burns und andere Demonstranten. Sie ziehen einige hundert Meter weiter zu einem Stoppelfeld, wo sie die Straße noch im Blick haben.

Es ist ein Ritual geworden. Kriegsgegner haben sich für ihre Proteste wieder den kleinen Ort Crawford in Texas ausgesucht, wo US-Präsident Bush seinen Sommerurlaub verbringt. Wieder versuchen die Demonstranten, bis zu Bushs Landsitz vorzudringen, wo der Präsident das Unterholz mit einer Motorsäge lichtet, Zäune repariert oder Steaks fürs Barbecue grillt. Und wieder werden die Friedensaktivisten von Beamten des Secret Service aufgehalten.

Etwas ist aber anders in diesem Sommer: Die Kriegsgegner bekommen derzeit mehr Auftrieb denn je. Zwei von drei Amerikanern halten den Irak-Krieg nach neuesten Umfragen für falsch. Und mehr als 70 Prozent der Befragten glauben, dass Bushs Kurs dem Land schadet. Politiker, die den Präsidenten unterstützten und den Krieg befürworteten, bekommen die Konsequenzen dieses Meinungsumschwungs deutlich zu spüren. Zuletzt verlor der Demokrat Joe Lieberman die Vorwahlen seiner Partei um die erneute Senatskandidatur.

Auch in Crawford haben sich die Dinge in diesem Sommer etwas geändert: Cindy Sheehan, eine besonders beharrliche Demonstrantin, arbeitet mit allen Mitteln daran, sich in dem Örtchen, das sich offiziell „Home of President George W. Bush“ nennen darf, zu etablieren. Die Mutter eines im Irak getöteten Soldaten, die den Präsidenten bereits im vergangenen Jahr in seinem texanischen Idyll zu stören versuchte, ließ über einen Strohmann zwei Hektar Land gleich an der Hauptstraße kaufen und ist damit jetzt offizielle Crawforderin. Der Texas-Führerschein und die Wahlberechtigung sind schon beantragt.

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