Bush sieht den Iran weiter als Bedrohung
Geheimdienste irritieren Freund und Feind

Der US-Geheimdienstbericht zu Irans Atomprogramm hat bei den Verbündeten Überraschung ausgelöst. Die Europäer und die Uno sehen sich bestätigt, Iran reagiert mit spöttischer Genugtuung.

HB WASHINGTON/GENF/TEL AVIV. Doch der engste US-Verbündete in der Region, Israel, stellt die Beurteilung offen infrage: Teheran habe sein Atomprogramm 2003 nur vorübergehend eingestellt und bleibe brandgefährlich, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. Premier Ehud Olmert habe der US-Regierung klargemacht, dass sich Israel bei der Beurteilung Irans allein auf die eigenen Geheimdienste stütze, heißt es in Jerusalem.

Und auch US-Präsident George W. Bush bleibt bei seiner Meinung: „Iran war gefährlich, ist gefährlich und wird gefährlich sein, wenn er das Wissen zum Bau von Nuklearwaffen hat“, sagte Bush am Dienstag. Der Bericht sei ein „Warnsignal“, da Iran das Waffenprogramm jederzeit wieder aufnehmen könnte. Von Iran würde eine Gefahr ausgehen, wenn das Land Wissen erlangte und es für geheime Atomprogramme weitergäbe. Daher lägen alle Optionen auf dem Tisch.

Die US-Geheimdienste hatten zuvor einen gemeinsamen Bericht vorgelegt, wonach Iran nicht mehr an Atomwaffen arbeitet. „Wir wissen nicht, ob (Iran) derzeit beabsichtigt, Kernwaffen zu entwickeln.“ Das Land arbeite aber weiter an der Technik, die es in die Lage versetzen könnte, zwischen 2010 und 2015 genügend waffenfähiges Uran anzureichern.

Israel befürchtet nun, dass Washington die Gefahr des iranischen Atomprogramms herabstufen könnte. Nach wiederholten Drohungen von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad gegen Israel favorisiert Tel Aviv einen präventiven Militärschlag. Premier Olmert war über den Inhalt des Berichts in der vergangenen Woche informiert worden. Auf Basis eigener Geheimdienstinformationen rechnet Jerusalem damit, dass Teheran Ende 2009 im Besitz der Atombombe sein könne.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) fühlt sich durch den US-Bericht zwar bestätigt, bleibt aber misstrauisch. „Die Amerikaner sind jetzt auf unsere Linie eingeschwenkt, nicht andersherum“, sagte ein IAEA-Mitarbeiter dem Handelsblatt. Auch die Inspekteure der Uno-Behörde konnten keine Beweise für ein laufendes Atomwaffenprogramm liefern. IAEA-Generaldirektor Mohamed el Baradei betonte jedoch, dass die Iraner noch „wichtige Aspekte“ ihrer nuklearen Aktivitäten klären müssten. Die neuen US-Erkenntnisse könnten bei der Entschärfung der Krise sehr hilfreich sein. Im November hatte die IAEA gefordert, Teheran müsse das Vertrauen in die friedliche Natur des Nuklearprogramms „wiederherstellen“.

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