International
Bush unterstützt Indien bei zivilem Atomprogramm

Strategiewechsel bei den USA: US-Präsident George W. Bush hat Indien nun doch die volle Unterstützung bei der Entwicklung eines zivilen Atomprogramms zugesagt. Kritiker sehen darin einen gefährlichen Schritt

HB WASHINGTON. Bush werde den US-Kongress auffordern, die Gesetzgebung dahingehend zu ändern, dass künftig der Atomtechnik-Handel mit Indien zulässig sei, hieß es in einer Erklärung, die nach einem Treffen Bushs mit dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh veröffentlicht wurde. Bislang hatten die USA von Indien zunächst den Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag verlangt. Als Gründe für den nun angedeuteten Politikwechsel gelten Indiens zunehmende technologische Entwicklung und sein wachsender Markt, mit dem es sich zunehmend zum Gegenspieler Chinas etabliert.

„Indien sollte als verantwortungsbewusster Staat mit hoch entwickelter Atomtechnologie in den Genuss derselben Vorteile kommen wie andere Staaten“, erklärten Bush und Singh. Ein hochrangiger US-Vertreter betonte, dass diese Stellungnahme nicht mit der Anerkennung Indiens als Atommacht gleichzusetzen sei. Als solche gelten bislang die USA, Frankreich, China, Großbritannien und Russland.

Indien besitzt Atomwaffen und testete diese 1998. Danach stimmte die Regierung in Neu-Delhi aber einem Test-Stopp zu und stellte seine zivilen Atomanlagen unter die Aufsicht der Vereinten Nationen (UN). Die Unterzeichnung des Sperrvertrages, der die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindern soll, lehnt Indien jedoch ab.

Waffenexperten sagten, Bushs Kooperationsangebot an Indien sei ein schlechtes Beispiel für Länder wie Nordkorea oder auch Iran, das den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. „Wir können keine Lieblinge haben, die gegen die Regeln des Sperrvertrages verstoßen, um eine Nation zu bevorzugen, und dabei das Risiko eingehen, wichtige internationale Verträge zu Atomwaffen zu untergraben“, sagte der republikanische Abgeordnete Ed Markey. Mehrere Kongressmitglieder kündigten an, gegen den von Bush vorgeschlagenen Strategiewechsel zu stimmen.

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