Bush warnt vor Fortführung des Atomprogramms
Waffentaugliche Uran-Spuren im Iran

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat nach Angaben aus Diplomatenkreisen rund einen Monat vor Ablauf eines UN-Ultimatums weitere Spuren von hochangereichertem Uran in Iran entdeckt. US-Präsident Bush hat die iranische Regierung daher erneut vor einer Fortführung ihres Atomprogramms gewarnt.

HB WIEN/NEW YORK. Die IAEA hat dem Iran eine Frist bis 31. Oktober gesetzt, nachzuweisen, dass sein Programm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Irans Außenminister Kamal Charrasi hat einen Verzicht auf Irans Atomprogramm ausgeschlossen und Vorwürfe bestritten, Iran verfüge über die Technologie für Atomwaffen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten Iran brieflich technologische Zusammenarbeit angeboten, falls das Land voll mit der IAEA kooperiere. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte im Bundestag, der Brief verdeutliche, dass die Europäer, aber auch andere, vom Iran wirklich umfassende Kooperation erwarteten.

Dies sei eine Gemeinsamkeit innerhalb Europas, aber auch im transatlantischen Verhältnis. „Erfolg der Kooperation muss ein umfassender Verzicht auf die Herstellung von Massenvernichtungswaffen durch Iran bedeuten“, sagte Schröder.

In Diplomatenkreisen hatte es im Zusammenhang mit dem im August verschickten Brief geheißen, die drei europäischen Staaten hätten mit ihrem Vorstoß Irritationen in den USA ausgelöst, die ein solches Angebot ablehnten.

Aus den Diplomatenkreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass die neu entdeckten Spuren hoch angereicherten Urans in einer Anlage in Kalaje am südlichen Stadtrand Teherans entdeckt worden seien. In diesem Jahr hatten Kontrolleure der UN-Behörde bereits in einer Atomanlage in Natans, 250 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran, Spuren von waffentauglichen angereichertem Uran gefunden. Von iranischer Seite hieß es dazu bislang, dass die entdeckten Spuren von Verunreinigungen der im Ausland gekauften Maschinen herrühren dürften.

Die USA vermuten, dass Iran seine Atomanlagen zur Anreicherung von Uran nutzt, um das Material waffentauglich zu machen. Dem widersprach Außenminister Charrasi am Rande der UN-Vollversammlung in New York: „Nein, wir haben nicht die Technologie, um Atomwaffen herzustellen.“ „Wir haben die Technologie, um Uran anzureichern. Es ist ein Unterschied, die Technologie zu haben, um Uran für den Betrieb von Atomkraftwerken anzureichern, oder um tatsächlich eine Bombe zu bauen.“ Auf die Frage, ob der Iran seine Atomaktivitäten aufgeben werde, antwortete Charrasi in New York: „Nein. Auf keinen Fall. Es gibt keinen Grund.“ Seine Regierung sei willens, mit der IAEA über striktere Kontrollen zu verhandeln, sagte er weiter, „aber das Problem ist, dass die Amerikaner glauben, das sei nicht genug“.

USA: Iran hat „eine letzte Chance“ nachzugeben

Die USA haben dem Iran im Streit um das Atomprogramm des islamischen Landes „eine letzte Chance“ zur Einhaltung der nuklearen Sicherheitsauflagen eingeräumt. Sollte sich die Regierung in Teheran weigern, drohen die USA, die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen.

„Die internationale Gemeinschaft hat die selben Besorgnisse geäußert wie wir. Dies ist eine letzte Chance für den Iran, nachzugeben und wenn er das nicht tut, sollte das nach unserer Meinung dem (UN-) Sicherheitsrat berichtet werden“, sagte der Sprecher des US-Präsidialamtes Scott McClellan am Donnerstag in Washington. Auf Fragen, ob eine militärische Aktion möglich sei, antwortete er, er glaube, das sei zu weit gegriffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%