3 Bewertungen ****
03.12.2008 
US-Diplomatie

Bushs letzter Diener

von Andreas Rinke

William Timken war Bushs Mann in Germany, US-Botschafter, belohnt für treue Hilfe. Nun geht er - ohne Vermächtnis. Berlin hofft auf seinen Nachfolger.

Seit 2004 US-Botschafter in Deutschland: William Timken. Foto: dpaLupe

Seit 2004 US-Botschafter in Deutschland: William Timken. Foto: dpa

BERLIN. Wer William Timken verstehen will, muss ihm in den Keller folgen. Die engen Treppen hinunter, den langen schmalen Gang entlang, in das Geschoss mit den niedrigen Decken und durch die kleine Küche mit ihren stahlblitzenden Einbauten. Dann steht Timken als einfacher Mann mit breitem Gesicht in einem Raum mit einfachen Tischen und Stühlen, der an einen Luftschutzbunker erinnert. Timken schnappt sich eine Zange. Gleich soll hier getafelt werden, üppig, wenn man den Maßstab seiner Gäste anlegt. Er hat Berliner Obdachlose zum Thanksgiving eingeladen. Neben den Truthahn-Scheiben, Kartoffelbrei und Gemüse türmen sich die selbstgemachten Cookies.

Ein Mann, 70 Jahre alt, an einem Abend in der Berliner Stadtmission. Man könnte in ihm so ziemlich alles sehen, der amerikanische Botschafter in Deutschland ist nicht die naheliegendste Variante. Jeans, Turnschuhe, ein offenes Hemd, eine umgebundene beigefarbene Schürze - das passt nicht zum landläufigen Bild der schillernden Diplomatenwelt Berlins, die ein paar Hundert Meter von hier gerade in der russischen Botschaft feiert.

Aber zu den Diplomaten hat Timken ohnehin nie gehört, seit er 2004 von George Bush zum Botschafter in Deutschland ernannt wurde. Im Gegenteil. Stolz hat der Unternehmer aus Ohio von Anfang an betont, dass er nicht zum State Department, dem amerikanischen Außenministerium, gehört. "They", sagt er, wenn er von den Botschaftsmitarbeitern spricht. "Ich bin nur ein normaler Bürger."

Und da beginnt das Problem, sagen viele - für ihn, vor allem aber für Timkens Land, die USA. Denn wenn Timken mit seiner Frau am Freitag in das Flugzeug steigt, um endgültig zurück nach Ohio zu fliegen, bleibt ein merkwürdig blasses Bild von dem Mann zurück, der die mächtigste Nation der Welt vier Jahre in Berlin vertreten hat. Und über die Jahre haben sich die Stimmen derer vermehrt, die glauben, dass das schlechte Bild der Weltmacht auch damit zusammenhängt, wie sie sich im Ausland vertreten lässt.

Noch heute etwa schwärmen viele deutsche Politiker von früheren US-Botschaftern wie Vernon Walters oder John Kornblum, die ihr Land und seine Interessen vehement in Deutschland vertreten haben. Wer nach der Meinung über den letzten Statthalter der untergehenden Bush-Ära fragt, erhält oft die Antwort "William Who?" Tatsächlich hat Timken in den vier Jahren öffentlich kaum Eindruck hinterlassen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • 156 Tote bei schweren Unruhen in Ch...

    156 Tote bei schweren Unruhen in China

    Bei Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Angehörigen der uigurischen Minderheit sind im Nordwesten Chinas nach Behördenangaben mindestens 156 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 800 weitere verletzt worden. Hunderte Demonstranten wurden fe...Bildergalerie 

  • Was Obama und Medwedjew trennt

    Was Obama und Medwedjew trennt

    US-Präsident Barack Obama ist zu seinem Antrittsbesuch in Russland eingetroffen. Mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew möchte er über heikle Themen wie die Bürgerrechte in Russland oder die Nuklearpläne Irans sprechen. Die wichtigsten Streitfragen ...Bildergalerie 

  • Warum die Atomkraft schlechte Karte...

    Warum die Atomkraft schlechte Karten hat

    Über die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung in Deutschland wird seit langem heftig gestritten. Der erneute Störfall im Kernkraftwerk Krümmel hat die Debatte neu angeheizt. Dabei wurde im Atomkonsens längst der Atomausstieg beschlossen. Worüber gestrit...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Live-Blog China: Uiguren testen Peking 

06.07.2009Madagaskar

Proteste der Uiguren in Chinas westlichster Provinz haben zu einem Blutbad geführt. Unklar ist, ob es zu offenen Unruhen kommt, die Nachrichten werden von Peking massiv beeinflusst. Damit wird Xinjiang zur neuen Herausforderung für Twitter, Facebook & Co. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Finden auch Sie den Partner, der Sie so liebt wie sie sind. Neugierig, wer zu Ihnen passt? Weiter