Camerons fiktiver Appell
„Frau Merkel, holen Sie die Big Bazooka raus“

Der britische Premier spricht Großbritanniens Sorgen um den Euro beim Besuch der Kanzlerin heute an. Was Cameron mit Blick auf die EZB tatsächlich wünscht, schreibt unser Gastautor in einer fiktiven Rede auf.
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LondonEs ist eine wirkliche Freude, wieder in Berlin zu sein. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Englisch rede - ich weiß, dass man in Europa jetzt Deutsch spricht, aber diese neue Sitte hat die britischen Küsten noch nicht erreicht. Bei unserem ersten Treffen haben wir uns versprochen, immer Klartext zu reden. Es ist Zeit für ein paar sehr offene Worte darüber, wie Sie mit der Euro-Krise umgehen. Dabei habe ich großen Respekt für die deutsche Wirtschaft und für Ihre Art, mit komplexen politischen Aufgaben umzugehen wie der, Ihre Landsleute für das Herauspauken anderer Euro-Länder zu gewinnen.

Sie denken, dass eine Politische Union die Antwort auf das Euro-Chaos ist. Auf Ihrem Parteitag haben Sie das "mehr Europa, nicht weniger" genannt. Das können wir natürlich niemals akzeptieren - Sie wissen ja, wie diese verdammten Hinterbänkler mir im Nacken sitzen. Aber ich muss zugeben: Ihre Position ist schlüssig. Weder George Osborne noch ich sehen, wie der Euro überleben soll, wenn es nicht sehr viel mehr fiskalische Integration gibt.

Sie werden das zweifellos vorantreiben, und ich wäre nicht einmal überrascht, wenn Sie meine Sorgen darüber - ich habe immerhin ein Vetorecht! - als amüsante Bedeutungslosigkeit ansähen. Das ist aber heute nicht die Frage. Die Politische Union vorzubereiten wird Jahre zäher Verhandlungen erfordern, und niemand weiß, ob ein neuer Vertrag angenommen wird. Meine Sorge, über die ich offen mit Ihnen reden will, ist viel unmittelbarer. Nein, es geht nicht um eine "Tobin-Tax" auf Finanztransaktionen. Ich muss dagegen sein, sonst würde ich in der City gehängt. Aber ganz unter uns: Ich stimme mit dem Erzbischof von Canterbury überein, dass es keine blöde Idee ist.

Meine Sorge, Frau Bundeskanzlerin, dreht sich um Folgendes: Sie haben das Ziel, den Euro zu retten, aber Sie sind nicht für die nötigen Mittel. Sie meinen es sicher ernst, wenn Sie sagen "Scheitert der Euro, scheitert Europa" und dass es um eine historische Aufgabe geht.

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„Die Investoren glauben nicht, dass Sie eine Strategie haben“

Kommentare zu " Camerons fiktiver Appell: „Frau Merkel, holen Sie die Big Bazooka raus“"

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  • War Cameron jetzt eigentlich da oder nicht? Wenn er da war, was hat er gesagt? Nichts ist darüber zu finden im Handelsblatt, stattdessen dieses Elaborat eines Andrew Gowers. Offenbar vermisst auch niemand einen Bericht über Camerons Besuch. Wenn heute der 1. April wäre, und die Gowers-Satire wirklich britisch humorvoll wäre, könnte man ja noch lachen. So bleibt mir nur das Lesen der Titanic (deutscher Humor), die ist dann doch um Meilen besser.

  • Spartakus, mein Nachbar wurde auch versklavt.

    Erst dachte ich, er sei ein Dummkopf und könne einfach nicht mit Geld umgehen und kaufe sich daher immer Autos und Schrankwände und Mobiltelefone und Urlaubsreisen, die er sich gar nicht leisten kann. Aber jetzt verstehe ich: Er wurde in Wirklichkeit von den Herstellern dieser Autos und Schrankwände und Mobiltelefone unter Androhung roher Gewalt zum Kauf gezwungen! Natürlich unter Mittäterschaft der Banken, die ihm gar keine andere Wahl gelassen haben, als sich über beide Ohren zu verschulden! Er ist also völlig unschuldig an seiner Misere, denn er wurde von den Banken mit vorgehaltener Waffe zur Unterschrift gezwungen! Das ist ja die pure Gewalt! Dieselbe Gewalt, mit der die Griechen seit 30 Jahren gezwungen werden, eine katastrophal schlechte Regierung nach der anderen zu wählen!

    Mann, die Welt ist wirklich ungerecht. Da bin ich ja richtig froh, dass ich mir nur Dinge kaufen muss, die ich mir auch leisten kann und von niemandem mit vorgehaltener Waffe zum Kaufen gezwungen werde. Und dass ich schlechte Regierungen einfach abwählen kann.


  • Sie bringen mich zum Lachen!
    Und jetzt....auf Englisch:
    http://hat4uk.wordpress.com/2011/11/18/eurozone-crisis-worlds-first-computer-modelled-outcome/

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