Castro auf Paris-Besuch: Auf einen Rum mit Raúl

Castro auf Paris-Besuch
Auf einen Rum mit Raúl

Nach dem diplomatischen Neustart mit den USA will Raúl Castro auch die Kontakte nach Europa intensivieren. Kubas Präsident besucht daher Paris. Noch ist Kuba als Wirtschaftspartner unbedeutend – bis auf einen Bereich.

ParisKubas Staatschef Raúl Castro trifft am Montag in Paris Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Castro ist bereits am Samstagnachmittag in der französischen Hauptstadt eingetroffen, auch wenn der offizielle Besuch erst am Montag beginnt. Sein älterer Bruder und Vorgänger Fidel wurde vor 21 Jahren vom damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand empfangen. Seitdem war keiner der beiden Brüder mehr aus offiziellem Anlass in Paris. Raúl hatte allerdings zweimal inoffizielle Zwischenstopps eingelegt, auf dem Rückweg von Algerien. Im Mai 2015 hatte Hollande Kuba besucht.

Frankreich hat sich mit Raúls Visite wieder einmal eine Premiere gesichert. Deutschlands Nachbar ist der erste EU-Staat, den Fidels jüngerer Bruder besucht. Jünger ist in diesem Fall tatsächlich nur relativ zu sehen, denn Raúl hat mit 84 Jahren auch schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht. Den kubanischen Staatsrat führt er offiziell erst seit Februar 2008, als sein Bruder wegen einer schweren Erkrankung die Amtsgeschäfte ruhen lassen musste. Formal ist er nicht mehr Chef der Armee, die er seit 1959 geführt hat. Doch natürlich hört sie noch auf sein Kommando.

Die französische Regierung kündigte an, Ziel des Besuches sei unter anderem, „Frankreichs Rolle als wichtigster wirtschaftlicher Partner Kubas zu bestätigen.“ Das ist allerdings mehr Ziel als Wirklichkeit: Die französischen Ausfuhren nach Kuba sind mit rund 140 Millionen Euro sehr überschaubar. Deutschland liefert mit rund 190 Millionen Euro allerdings auch nicht sehr viel mehr.

Auch die Präsenz französischer Unternehmen auf der Zuckerinsel ist schwach entwickelt. Es gibt lediglich 30 Verbindungsbüros und fünf Gemeinschaftsunternehmen. Das wichtigste allerdings hat es in sich: Gemeinsam mit einem kubanischen Partner stellt Pernod Ricard „Havanna Club“ her, die Mutter aller Rum-Marken. Durch die Wiederannäherung Kubas an die USA ist diese Zusammenarbeit noch wichtiger geworden. Denn die Franzosen hoffen, dass die künftig den weltbekannten Alkohol auch wieder in den USA vertreiben dürfen.

Das ist ihnen aufgrund eines Rechtsstreits noch immer verboten, den Bacardi angestrengt hat, früherer Eigentümer der Markenrechte. Die Familie wurde auf Kuba nach der Revolution enteignet und musste auch auf Havanna Club verzichten. Anfang des Jahres gab es eine erste positive Entscheidung in den USA zugunsten von Pernod Ricard, doch ist der Fall noch lange nicht entschieden.

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Potenzial liegt im Tourismus

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