Castro trifft US-Abgeordnete
USA suchen die Nähe zu Kuba

Die USA und Kuba gehen weiter aufeinander zu. Eine Delegation von US-Abgeordneten ist am Dienstag auf Kuba mit dem ehemaligen Staatschef Fidel Castro zusammengekommen. Der 82-Jährige habe einen sehr energiegeladen Eindruck gemacht, sagten Teilnehmer des Treffens.

HB HAVANNA/WASHINGTON. Bei dem ersten bekannten Treffen mit US-Vertretern seit Jahren habe Castro einen sehr gesunden, lebhaften und klaren Eindruck gemacht, berichtete die US-Kongressabgeordnete Barbara Lee nach ihrer Rückkehr in Washington. Castro habe sein Interesse an besseren Beziehungen zwischen Kuba und den USA deutlich gemacht. Der 82-Jährige ist wegen seiner angeschlagenen Gesundheit seit 2006 nicht mehr öffentlich aufgetreten.

Zuvor war bereits der kubanische Präsident Raul Castro erstmals seit seinem Amtsantritt mit den Kongressvertretern zusammengekommen. Castro empfing am Montagabend in Havanna sechs US-Parlamentarier zu einem Meinungsaustausch. Die Abgeordneten der Demokratischen Partei redeten vier Stunden mit Castro, wie die kubanische Regierung erklärte. In den Gesprächen sei es um "verschiedene Themen einer künftigen bilateralen Zusammenarbeit und die wirtschaftlichen Beziehungen" gegangen.

Castro wünsche eine engere Kooperation mit den USA, sagte die Leiterin der US-Delegation, Barbara Lee, nach dem Treffen. "Er meint es ernst. Er will eine normale Beziehung zu den Vereinigten Staaten." Auch die US-Regierung unter Präsident Barack Obama strebe eine neue Außenpolitik an, betonte die Abgeordnete. Ihre Delegation habe jedoch keine konkreten Angebote seitens Washingtons überbracht.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und der kommunistisch regierten Karibikinsel liegen seit fast einem halben Jahrhundert auf Eis. Aber seit dem Amtsantritt von US-Präsident Obama vor rund zwei Monaten taut das Eis merklich. Vor dem Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Ende kommender Woche wird mit einer weiteren Lockerung der strikten Sanktionsmaßnahmen Washingtons gegenüber Kuba gerechnet. "Es ist eine Erleichterung der Restriktionen bei Geldüberweisungen und Reisen Angehöriger zu erwarten", sagte der US-Sonderberater für den Amerika-Gipfel, Jeffrey Dawidow, in Washington. Eine Lockerung des Wirtschaftsembargos sei aber ausgeschlossen, betonte Dawidow.

Aus diplomatischen Kreisen verlautete in den vergangenen Tagen immer wieder, Obama könnte die Reisebeschränkungen nach Kuba für US-Bürger, die Angehörige auf der Insel haben, ganz aufheben. Dies würde rund 1,5 Millionen Amerikaner kubanischer Abstammung betreffen. Der US-Präsident hatte erst vor kurzem das von seinem Amtsvorgänger George W. Bush verhängte Reiseverbot, das Verwandtenbesuche auf Kuba nur alle drei Jahre erlaubte, gelockert und jährliche Visiten gestattet. Darüber hinaus liegen im US-Senat und dem Repräsentantenhaus zwei Gesetzesinitiativen vor, die allen US-Bürgern künftig Reisen nach Kuba erlauben sollen.

Allerdings scheint die Führung in Havanna nicht an einer allzu schnellen Annäherung zwischen beiden Staaten interessiert. Funktionäre wie Ex-Minister Armando Hart bezeichneten die mögliche Aufhebung der Reisebeschränkungen als eine " ideologische Herausforderung" für die Insel. Das Land sei nicht auf den zu erwartenden Ansturm der vielen Amerikaner kubanischer Abstammung vorbereitet, betonte Hart.

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