Catherine Ashton
Brisantes Telefonat bringt Ukraine in Bedrängnis

Ein abgehörtes Telefonat der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton deutet darauf hin, dass die neue Führung der Ukraine schuld am Blutbad in Kiew ist. Am 20. und 21. Februar starben dabei viele Dutzend Menschen.
  • 32

TallinnEin von Unbekannten veröffentlichtes Telefonat der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton mit dem estnischen Außenminister Urmas Paet bringt die neue Führung der Ukraine in Bedrängnis. In dem Gespräch vom 26. Februar deutet Paet an, dass womöglich auch die damalige Opposition für das Blutbad in Kiew wenige Tage zuvor verantwortlich sein könnte – und nicht der inzwischen abgesetzte damalige Präsident Viktor Janukowitsch. Die Echtheit des Telefonmitschnitts wurde von der estnischen Regierung inzwischen bestätigt.

Bei dem Blutbad in Kiew am 20. und 21. Februar waren mehrere Dutzend Demonstranten und auch etwa 15 Polizisten getötet worden. „Es wird inzwischen immer mehr angenommen, dass hinter den Heckenschützen nicht Janukowitsch steckte“, sagte Paet. Vielmehr werde „irgendjemand“ von der damaligen Opposition, die inzwischen die Macht in der Ukraine übernommen hat, verdächtigt.

„Es ist wirklich verstörend, dass die neue Koalition nicht untersuchen will, was wirklich geschah“, sagte Paet. Er hatte einen Tag vor dem Telefonat mit Ashton mit der neuen Führung in Kiew gesprochen. Die EU-Außenbeauftragte zeigte sich von den Aussagen des estnischen Außenministers verwirrt: „Ich denke, wir wollen eine Untersuchung. Ich meine, ich weiß nicht. Meine Güte.“

Paets Sprecherin bestätigte inzwischen die Authentizität der Aufnahme, deren Veröffentlichung sie verurteilte. „Wir weisen die Annahme zurück, dass Paet die Einschätzung äußerte, dass die Opposition in die Gewalt verwickelt war“, fügte Minna-Liina Lind hinzu.

Schon im Februar war ein Telefonat abgehört und aufgezeichnet worden – das der Europa-Beauftragten von US-Außenminister John Kerry, Victoria Nuland, mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt. „Scheiß' auf die EU“ („Fuck the EU“), ist Nuland in dem Telefonat zu hören, von dem eine Aufnahme am Donnerstag auf der Online-Plattform Youtube auftauchte. Wie der Mitschnitt des vertraulichen Gesprächs ins Internet gelangte, war unklar.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Catherine Ashton: Brisantes Telefonat bringt Ukraine in Bedrängnis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Fat_Bob_Ger1: +1. Danke für diese wohltuend nüchterne Darstellung.

    Ost- und West-Ukraine könnten sich wohl noch zusammenraufen und einen Kompromiss zwischen den Blöcken finden, so sie es denn wirklich wollen. Am Willen scheint es aber zumindest seitens "des Maidan" zu fehlen.

    Die Krim ist allerdings futsch, definitiv. Nach Putsch, Beteiligung offen rechtextremistischer Kräfte an der "Regierung" und Aufhebung des Sprachengesetzes ist dieser Zug abgefahren, was jedem Sehenden am Tag 1 nach Jankukowitsch klar war. Die EU hätte diese Entwicklung möglicherweise noch verhindern können, wenn sie kategorisch auf der Einhaltung der gerade getroffenen Vereinbarung bestanden hätte - als Voraussetzung für jegliche Form von Unterstützung. Aber da war die geopolitische Gier wohl wichtiger als das Wohl der ukrainischen Bevölkerung ...

  • @Heidi
    Sag niemals nie. Bestes Beispiel für Größenwahn und Machtspielchen mit anschließendem Urknall-Effekt war der Watergate-Skandal.

  • "Was ist Wahrheit?" Diese Frage stellte bereits vor mehr als 2000 Jahren Pontius Pilatus an Jesus Christus.
    Wenn wir nun auf beiden Seiten Medien-Propaganda sehen, wie wir sie wohl seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt haben, dann fällt es natürlich auch schwer, den Überblick zu behalten und die Wahrheit herauszufiltern.
    Und glauben Sie mir: viel, viel einfacher geht das mit einem Verständnis für unser Geld- und Finanzsystem:
    der Westen (USA und EU inklusive) sind real pleite und können sich nur noch durch Deficit Spending mit Hilfe des Dollar-basierten Fiat-Money-Systems über Wasser halten. Eine starke Allianz von Staaten (Russland inklusive) will sich mittel- bis langfristig damit nicht mehr über den Tisch ziehen lassen und möchte ein neues (gedecktes) Geldsystem einführen. Gleichzeitig können die USA nicht WIRKLICH Krieg führen gegen Russland: Wenn Russland UND China als größte Gläubiger Amerikas (abgesehen von der Fed selbst) ihre US-Treasuries tatsächlich abstoßen, kann Obama seine Soldaten bereits am nächsten Tag schlicht und ergreifend nicht mehr bezahlen. Letztendlich sind die Drohungen des Westens daher nichts anderes als leeres Geplänkel und dienen nur dazu, die Menschen über die EIGENTLICHE Ursache dieses Konfliktes zu täuschen.
    Und selbstverständlich gibt es auch bei dieser Krise Leute, die sich auf beiden Seiten positioniert haben und so sicher wie das Amen in der Kirche Gewinn machen werden (wie übrigens bereits seit etlichen Dekaden, wenn nicht hunderten von Jahren). Und diese Leute gewinnen IMMER und haben garantiert auch keine Lust darauf, in einem Dritten Weltkrieg (eine absolut irrsinnige Panikmache hier in den westlichen Mainstram-Medien) selbst unterzugehen.
    http://www.youtube.com/watch?v=fNrBG52IXes

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%