CDU-Vorstoß

CDU-Abgeordneter für italienische Goldreserven

Italien gilt als Wackelkandidat in der Euro-Zone. Ungewiss ist, ob der Euro-Rettungsfonds es notfalls auffangen könnte. Aus der CDU kommt daher der Vorschlag, Rom solle über ein Anzapfen seiner Goldreserven nachdenken.
Update: 07.11.2011 - 09:37 Uhr 23 Kommentare
Ein Goldreserven-Einsatz in Italien? Quelle: Reuters

Ein Goldreserven-Einsatz in Italien?

(Foto: Reuters)

Berlin Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum, hat einen Verkauf der italienischen Goldreserven ins Gespräch gebracht. „Durch einen Verkauf könnte Italien angesichts der derzeit hohen Erlöse seinen Schuldenstand spürbar senken“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“. Das Land verfüge über relativ hohe Goldreserven. Es sei „angebracht, dass Italien selbst seine Goldreserven einsetzt“, betonte der Europa-Experte. Deutschland hatte sich am Wochenende gegen Bestrebungen anderer Staaten gewehrt, die Devisenreserven der Bundesbank zur Euro-Rettung zu verpfänden.

Nach Griechenland richtet sich derzeit die Aufmerksamkeit der Märkte auf Italien, wo am Dienstag eine Parlamentsabstimmung über die öffentlichen Finanzen ansteht, über deren Ausgang die Regierung von
Ministerpräsident Silvio Berlusconi stürzen könnte.

Über die Möglichkeit Goldreserven zur Euro-Rettung einzusetzen war beim G20-Gipfel in Cannes gesprochen worden. US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Premier David Cameron hatten demnach vorgeschlagen, dass die Euro-Staaten und deren Notenbanken Sonderziehungsrechte im Wert von 60 Milliarden Euro in den Rettungsschirm einbringen: 15 Milliarden Euro davon sollten von der Bundesbank kommen, berichtete die "Welt am Sonntag". Das Geld solle dann als Pfand für weitere Rettungsprogramme dienen. Dies wäre nicht nur ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Bundesbank, auch die deutsche Haftungssumme für den Rettungsschirm würde sich so erhöhen.

In G20-Kreisen verlautete zudem, dass vor allem Frankreich ein besonderes Interesse an der Goldvariante hätte, um eine Stärkung des Euro-Rettungsschirms zu erreichen, weil es selbst in der Schuldenkrise zuletzt vermehrt unter Druck geraten war. Hintergrund der Bemühungen um eine Stärkung des Rettungsschirms sind Befürchtungen, dass das mit 440 Milliarden Euro ausgestattete Schutzschild nicht ausreichen könnte, sobald größere Staaten ins Wanken kommen.

Deutschland stellte sich bereits am Wochenende gegen solche Bestrebungen. Auch die Bundesbank als Hüterin der Währungsreserven wies den Vorstoß zurück. Am Montag legte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nach. „Die deutschen Goldreserven müssen unantastbar bleiben“, sagte der FDP-Politiker in der ARD.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sprach sich am Sonntag zwar dafür aus, die Finanzkraft des Rettungsfonds deutlich zu stärken. Er warnte aber davor, die Goldreserven der Bundesbank dafür anzuzapfen. Der Chef der Deutschen Bank verwies stattdessen auf die Vorteile der nun gefundenen Versicherungslösung. Damit übernimmt der Rettungsfonds zum Teil das Ausfallrisiko von Staatsanleihen mancher Euro-Länder und macht sie so für Investoren attraktiver.

  • rtr
  • dpa
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23 Kommentare zu "CDU-Vorstoß: Italien soll sich mit Goldverkauf selbst retten"

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  • Wie wäre es denn, wenn Euro-Länder bei schwacher Bonität Gold als Garantie hinterlegen müssen, um Geld zu bekommen? Bei Eurobonds sollten die teilnehmenden Länder jeweils feste, aber sich an der aktuellen Bonität orientierenden Zinsen zahlen, damit Motivation erhalten bleibt, Schulden abzubauen, während AAA Schuldner weniger Zinsen zahlen!

  • Wieder einmal so ein tolles Argument! Wenn man Gold nicht essen kann, möchte ich gerne wissen ob sie eine Banknote, oder eine Münze (aus einem Nichtedelmetall) essen können!?

    Knechtrupprecht

  • Die Griechen haben längst die Reichtümer ausser Landes geschafft. Wer Gold gegen bald wertloses Papier umtauscht kann nicht ganz normal sein. Das Gold wird gebraucht damit zukünftige Währungen wieder echt gedeckt werden können, Gold ist und war das ultimative Geld.

  • Natürlich nicht. Die Kreditgeber, vor allem aber die Reichen und Superreichen dieser Welt (die nicht selten ja das Gleiche sind), haben keine Schulden. Sie sind die Gläubiger.

  • Das Grundgesetz deckt ein Vorgehen gegen das Politit- und Geldadelpack. Eine humane Praxis wäre der Gebrauch der Guillotine zur Durchsetzung des Grundgesetz Artikel 20/4. Damit könnte ganz Europa seine Probleme mit der Lumpenelite ein für alle mal lösen.

  • Mit den Goldreserven ist das so eine Sache. Wirft man sie auf den Markt, nehmen sie drastisch an Wert ab. Die Reichen zur Kasse zu bitten währe die einzigste wirklich funktionierende Lösung. Nur nicht realisierbar zudem die Gleichen über sehr viel Lobbymacht verfügen. Außerdem müsste diese Lösung von einem Tag auf den anderen passieren um den Geschädigten (siehe Griechenland) nicht die Zeit zu geben ihre Reichtümer in Sicherheit, sprich Ausland, zu bringen. Es wird also nichts und so wird es zwangsläufig zu der späten, wenn auch ungewollten, Rache des kleinen Mannes kommen, die sich in Form einer Hyperinflation manifestieren wird.

  • Zum Einstieg in den EFSF benötigen Sie hinreichend Erpessungspotential damit sie nicht nur die 30% Zurückerhalten - unter serösen Aspekten kauft kein Mensch diese Schrottpapiere, wenn nicht Deutschland insgeheim mit 100% bürgt...

  • Nein, die perfiden Politiker wissen Bescheid - das ist ein billiger Beruhigungsdrops für Bürgerdeppen. Alles läuft unter dem Aspekt die Bürger ruhig zustellen für die Einfühung des Zentralkommitees der EU mit verbundenen Transferleistung. So lange druckt die EZB im Hintergrund!!

  • Der Zusatz - ob es möglich sei, sei ungewiss - ist rhetorisch. Italien ist zu gross, um gerettet zu werden.

  • Goldreserven
    ---------------
    Nicht nur Italien sondern auch der BRD bleibt gar nichts
    anderes übrig als seine Goldreserven zu opfern, nicht nur
    allein um sich selbst zu retten und weiterhin die Insol-
    venzverschleppung von Griechenland durchzuziehen, sondern
    allein schon um das Adminstrationsmonster Brüssel noch
    einige Zeit am Leben erhalten zu können.
    Wer glaubt denn im Ernst, daß der unproduktive, der sich
    mit sich selbst beschäftigende Mitarbeiterstab von 44.OOO
    Bediensteten in Brüssel und Straßburg auf Dauer noch zu
    finanzieren ist?
    Dagegen ist die viel geschmähte griechische Administra-
    tion direkt ein Sparwunder!!

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