Chaos
Bangkok vom Flugverkehr abgeschnitten

Diszipliniert und bestens ausgerüstet haben Tausende in Gelb – der Farbe des Königshauses – gewandete Demonstranten nach Bangkoks Internationalem Flughafen nun auch den für Inlandsflüge genutzten zweiten Bangkoker Flughafen Don Muang besetzt. Sie wollen Schalter, Gepäckausgaben und Kontrollturm erst räumen, wenn die Regierung von Premier Somchai Wongsawat zurücktritt.

NEU-DELHI. Zwar klappert eine Mehrheit der Umstürzler friedlich mit Plastikhänden, dem Symbol der außerparlamentarischen Protestbewegung PAD. Aber zwischen dem Fußvolk der Bewegung und völlig unbehindert von Sicherheitskräften patrouilliert die hässliche Fratze der Bewegung: vermummte, wild dreinblickende und mit Schlag- und Stichwaffen gerüstete Schlägertrupps.

Mit derselben Mischung aus zivilem Ungehorsam und kaum verhohlener Gewaltbereitschaft hält die Bewegung schon seit Monaten den Regierungspalast besetzt. Gerade hat sie Somchais Kabinett auch aus seinem Notquartier am Inlandsflughafen verjagt. Das Parlament ist seit Anfang der Woche ebenfalls blockiert. Die Armee fördert einen kalten Putsch auf Raten – und verweigert der Regierung die Gefolgschaft. Der ihm noch halbwegs hörigen Polizei legt Somchai seit Wochen strikte Zurückhaltung auf: Blutvergießen wäre ein Vorwand für einen Coup.

Doch nach dem Sturm auf den Flughafen kann der Premier aus der Not des Zurückweichens nicht länger eine clevere Tugend machen und auf den schwindenden Rückhalt der Protestbewegung in Bangkoks Mittel- und Oberschicht vertrauen. Durch Thailands wichtigste Verkehrsdrehscheibe strömen mehr als 40 Millionen Passagiere im Jahr. Mit der jüngsten Blockade eskaliert der seit drei Jahren schwelende Kampf um die Macht im Land gefährlich.

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit rief Armeechef Anupong Paojinda Somchai gestern in einer Fernsehansprache zum Rücktritt auf. Unmittelbar zuvor hatte er eine Dringlichkeitssitzung der Militärführung geleitet. Neuwahlen sollen laut Paojinda das politische Chaos beenden, das Thailand seit fünf Monaten lähmt. Einen Putsch schloss der General immerhin aus. Mit seinem Konter muss der vom Apec-Gipfel in Lima nach Thailand zurückreisende Premier Wongsawat warten, bis sein Flugzeug ins nordthailändische Chiang Mai ausgewichen war. Anders als Bangkok ist Thailands zweitgrößte Stadt eine Hochburg seiner Partei. Der intelligente, aber nicht charismatische Politiker blickt betreten in die Kamera – und bleibt stur: Er denke nicht an Rücktritt. Schließlich sei seine Regierung vor weniger als einem Jahr durch freie Wahlen und damit demokratisch legitimiert an die Macht gekommen.

Die wichtigsten Spieler im Poker um die Macht – Wongsawat und Paochinda – straften gestern auch die Börse Lügen. Die hatte nach Anfangsverlusten im Plus geschlossen – und darauf gewettet, das enorm gestiegene wirtschaftliche Risiko der Konfrontation werde die Konfliktparteien schnell zu einer Einigung zwingen. Doch davon kann keine Rede sein.

Nun fürchten immer mehr Menschen, dass der Abnutzungskrieg um die Macht in einem Blutbad endet. „Es wird eine Gewaltspirale geben“, prophezeit der Politikwissenschaftler Thitinan Pongsudhirak, Leiter des Instituts für Strategische Studien in Bangkok. „Thailand kann jederzeit explodieren.“ Die Oppositionsbewegung PAD bezeichnet er als „politische Sekte mit faschistischen Zügen und paramilitärischen Elementen. Sie will Thailand unregierbar machen.“ Denn nur wenn das Land in Anarchie stürze, könne die royalistische Opposition die Macht wieder übernehmen.

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