Chaos in Libyen
UN fordert Ende der Angriffe auf Zivilisten

Zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Libyen toben erbitterte Kämpfe. Die Lage ist unübersichtlich. Die Angst vor einem lang anhaltenden Bürgerkrieg nimmt zu. Großbritannien, die EU und die UN reagieren.
  • 0

Tripolis/Kairo/New YorkUN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat ein Ende der Angriffe auf Zivilisten in Libyen gefordert.

Zugleich warnte er am Sonntag die libysche Führung unter Machthaber Muammar Gaddafi, jeder, der internationales Recht breche, werde vor Gericht gebracht. Bans Büro zufolge wurde der ehemalige jordische Außenminister Abdelilah al-Chatib zum Sonderbeauftragten des Generalsekretärs für Libyen ernannt. Er solle mit Blick auf die humanitäre Lage in Libyen umgehend Beratungen mit den Behörden in Tripolis aufnehmen.

Zudem solle dazu umgehend ein UN-Team nach Libyen entsandt werden. Ban habe zudem am Sonntag mit dem libyschen Außenminister Musa Kusa gesprochen und darauf verwiesen, dass Libyen seine Verantwortung zum Schutz der Bevölkerung des Landes wahrnehmen und das Recht des libyschen Volkes nach einem Leben in Würde und Frieden beachten müsse.

In Libyen dauerte die Kämpfe zwischen Aufständischen und Gaddafi treuen Soldaten auch am Sonntag an. Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi griffen drei von Rebellen gehaltene Städte an. Dabei kamen Panzer, Artillerie, Kampfflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Die Kämpfe ereigneten sich in den Städten Sawija und Misrata im Westen des Landes sowie in der Ölhafenstadt Ras Lanuf weiter im Osten.

Regierungssprecher berichteten von Erfolgen. Die Gegenseite dementierte den vermeintlichen Sieg über die Aufständischen in zahlreichen Städten des Landes umgehend. Der Wahrheitsgehalt der widersprüchlichen Behauptungen konnte zunächst nicht überprüft werden.

Zuvor hatte das Staatsfernsehen die angebliche Rückeroberung schwer umkämpfter Städte wie Al-Sawija, 50 Kilometer westlich von Tripolis, oder dem tief im Rebellenland gelegenen Tobruk gemeldet. Zudem hieß es, die Regierungstruppen seien auf dem Vormarsch zur Hafenstadt Bengasi. Am Vormittag strömten Gaddafi-Anhänger auf dem Grünen Platz zusammen. Sie hielten Bilder des Diktators in die Höhe und riefen: "Muammar, Muammar, du bist Libyen!".

Gaddafi beklagte sich über mangelnde Unterstützung aus dem Ausland. Er kämpfe gegen den Terrorismus, sagte der seit über 40 Jahren herrschende Staatschef. Die EU entsandte eine Delegation nach Tripolis, um sich über die Lage der Bevölkerung zu informieren.

Gaddafi-treuen Soldaten gelang es am Sonntag, die Aufständischen aus Bin Dschawad zurückzudrängen. Die Stadt liegt zwischen Ras Lanuf und Gaddafis Heimatstadt Sirte. Soldaten hätten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten angegriffen, berichteten Oppositionelle. Einige Rebellen seien von Scharfschützen getroffen worden. Klinikärzte in Ras Lanuf berichteten von zwei Toten und 22 Verletzten, mehrere davon schwer. Ein französischer Fotograf erlitt eine Schussverletzung am Bein. Rebellen schossen nach eigener Darstellung einen Hubschrauber von Gaddafi-Truppen im Osten des Landes ab.

Der ganze östliche Landesteil von Ras Lanuf über Bengasi bis zur ägyptischen Grenze wird weiter von den Gaddafi-Gegnern kontrolliert.

Seite 1:

UN fordert Ende der Angriffe auf Zivilisten

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Chaos in Libyen: UN fordert Ende der Angriffe auf Zivilisten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%