Charis Georgiadis: Zyperns Finanzminister kritisiert Bankenabgabe

Charis Georgiadis
Zyperns Finanzminister kritisiert Bankenabgabe

Einige Bedingungen für das Rettungspaket hält der neue Finanzminister Charis Georgiadis für problematisch. Insbesondere die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen. Bereits gelockert werden könnten die Kapitalverkehrskontrollen.
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Nikosia/BerlinDer zyprische Finanzminister Charis Georgiadis hat sich kritisch zu den Konditionen des kürzlich geschnürten Rettungspakets für sein Land geäußert. Insbesondere die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro, mit der die Bankkunden an der Rekapitalisierung der Institute beteiligt werden, hält Georgiadis für problematisch: „Es war eine bedauerliche Entscheidung, nicht nur für Zypern, das nun den Preis zahlen muss, sondern für Europa insgesamt“, sagte der Finanzminister im Interview mit dem Handelsblatt.

Durch den Einlagen-Haircut sei das Vertrauen der Menschen in die Banken erschüttert worden. „Man wird in Zukunft sehen, ob es eine weiser Beschluss war“, sagte Georgiadis.

Der Minister sieht sein Land vor einer „Schocktherapie von enormen Dimensionen“, die zu einer tiefen Rezession führen werde. „Dieses Programm war nicht unsere Entscheidung, wir hatten keine Wahl“, sagte Georgiadis dem Handelsblatt. „Aber ich halte nichts davon, jetzt zurückzublicken und Entscheidungen zu kritisieren, die ich ohnehin nicht ändern kann“, so der Minister. Stattdessen wolle er sich darauf konzentrieren, sein Land nach vorn zu bringen und der Wirtschaft Wachstumsimpulse zu geben.

Trotz der Bankenabgabe, die vor allem viele russische, britische und libanesische Anleger hart trifft, sieht Georgiadis für Zypern eine Zukunft als Finanzplatz: „Die Finanzbranche wird künftig wahrscheinlich kleiner sein, aber dafür auf solideren Fundamenten stehen, besser reguliert sein und ohne die Exzesse, die für die heutigen Probleme verantwortlich sind.“

Unterdessen könnten die Kapitalverkehrskontrollen auf Zypern bereits wieder stufenweise gelockert werden. Zypern hat seinen Bankensektor bereits drastisch verkleinert. Das geht aus der Vereinbarung über das EU-Hilfsprogramm (Memorandum of Understanding) hervor, die dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt. Danach wurde der Finanzsektor halbiert. Dazu beigetragen haben der Verkauf der Tochtergesellschaften in Griechenland, die Abwicklung der Laiki-Bank sowie die Rekapitalisierung der Bank of Cyprus, bei der auch Sparguthaben genutzt wurden. „Durch die Maßnahmen wurde der Bankensektor sofort und erheblich auf 350 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückgefahren“, heißt es in dem Papier.

Die Zahl ist zwar geklammert und könnte noch aktualisiert werden. Der grundsätzliche Befund wurde aber in Troika-Kreisen bestätigt: Eine solch radikale Schrumpfung wie in Zypern habe es noch nicht gegeben, hieß es. Zuletzt hatte der Bankensektor mehr als das Siebenfache von Zyperns Wirtschaftsleistung betragen. Das Geschäft der einheimischen Banken, ohne Töchter von ausländischen Finanzhäusern, entsprach laut der Vereinbarung vor den Maßnahmen noch 550 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Seit Wiederöffnung der Banken gelten in Zypern Kapitalverkehrskontrollen. Mittlerweile gibt es erste Überlegungen, wie diese wieder aufgehoben werden könnten. Nach Informationen des Handelsblatts wird ein mehrstufiges Verfahren geprüft. Zunächst sollen die Beschränkungen innerhalb Zyperns aufgehoben werden, um die Wirtschaft nicht weiter zu schwächen. Die Auflagen für Geldtransfers ins Ausland könnten hingegen länger in Kraft bleiben. Man wolle die Kontrollen zwar so schnell wie möglich aufheben, müsse aber vorsichtig sein, um einen unkontrollierten Geldabfluss zu verhindern, hieß es in Kreisen der Troika. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Charis Georgiadis: Zyperns Finanzminister kritisiert Bankenabgabe"

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  • mann, nun jammern Sie hier nicht rum.

    Bringen Sie ihr Geld dort hin, wo man Sie als Investor noch schätzt (SIND, CN,..) und lassen die Leute in Zypern doch mal endlich in Ruhe.

  • Sie grenzt nicht an Desinformation. Es wird gezielt Desinformation eingesetzt zur Durchsetzung eigener Interessen. Nur sind die Fehler so gravierend, dass sich diese nicht leicht übertünchen lassen.
    Slovenien klopft ja bereits in Brüssel an wegen Hilfen.

    Selbst Asmussen kommt jetzt schon drauf, dass die EZB nicht alles lösen kann. Vorigen Sommer sah das doch noch anders aus mit der unbegrenzten Feuerkraft der Bazooka. Wieder eine Fehleinschätzung mit fatalen Folgen, weil nichts besser wurde, sondern nur Insolvenzverschleppung betrieben wurde mit den hervorsehbaren Folgen.
    Manchmal fragt man sich, ob es Dummheit oder Naivität ist, die die Entscheidungsträger treibt.

  • #Sarina
    "..Ihr habt euch die "Schocktherapie von enormen Dimensionen" redlich verdient..."
    Einen Tritt in den Arsch wäre besser und würde die Merkfähigkeit der Griechen enorm steigern!

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