Charles Kupchan
„Moskau hat das Potenzial zu stören“

„Aus russischer Sicht werden die russischen Interessen offen missachtet“, sagt Charles Kupchan. Der Professor am Council on Foreign Relations, einer Denkfabrik in Washington, spricht im Interview über die amerikanisch-russischen Beziehungen im Allgemeinen und den Raketenschild im Besonderen.

Handelsblatt: Putin hat sich zuletzt gegenüber dem Westen oft emotional gezeigt. Ist Russland ein unberechenbarer Partner geworden?

Charles Kupchan: Es hat im Verhältnis zwischen den USA und Russland eine klare Wendung hin zum Schlechten gegeben. Die Bereitschaft Russlands, den USA Paroli zu bieten, ist sichtlich gewachsen. Und das ist begleitet von ziemlich scharfer und konfrontativer Rhetorik.

Wie erklärt sich das?

Putin fühlt sich zweifellos stark, da der Staat durch das Öl reich geworden ist und die Kontrolle über viele Bereiche wieder zurückgewonnen hat. Putins Botschaft lautet: Wir sind wieder auf der Bühne.

Inwieweit spielt dabei immer noch die Tatsache eine Rolle, dass Russland nicht mehr auf Augenhöhe mit den USA liegt?

Putin weiß, dass er nicht erwarten sollte, völlig gleichberechtigt mit den USA zu sein. Aber Putin und mit ihm viele Russen denken, dass die USA sie nicht mit dem Respekt behandeln, den sie verdienen. Und das stimmt ja zum Teil auch. Die USA sind mit dem Kampf gegen den Terror so beschäftigt, dass Russland für die USA nur noch wenig bedeutend erscheint.

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