"Charlie-Hebdo"-Anschlag
Demonstranten in Afghanistan feiern Attentäter

Die Geiselnahmen nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hielten auch die arabische Welt in Atem. Verbände rufen zu solidarischen Mahnwachen auf. Doch Extremisten jubeln.
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Kairo/ KandaharNach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und den Polizeieinsätzen gegen islamistische Terroristen zeigt sich die muslimische Welt solidarisch mit Frankreich. Zeitungen kritisierten am Samstag die von Islamisten verursachte Gewalt. Die überregionale arabische Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“ schrieb von einem „Tag des Horrors“, die ägyptische „Masry al-Youm“ titelte: „Frankreich nimmt Rache für die Opfer“.
Mit einem Doppelschlag hatte die französische Polizei am Freitag zwei Geiselnahmen beendet und dabei drei Islamisten getötet, darunter auch die beiden Brüder, die den Anschlag auf das Satiremagazin verübt haben sollen. Insgesamt gab es binnen drei Tagen 20 Tote.
Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach seinem Amtskollegen François Hollande am Freitag sein „erneutes aufrichtiges Beileid im Namen Ägyptens“ aus. Auch der irakische Schiitenprediger Muktada al-Sadr verurteilte die Angriffe als „nicht der Ethik des Islam“ entsprechend. Der Chef der schiitischen Hisbollah im Libanon, Hassan Nasrallah, sagte, Terroristen hätten dem Islam mehr geschadet als jeder andere in der Geschichte. „Sie haben den Propheten Gottes und die islamische Welt beleidigt“.


Arabische Zeitungen druckten als Zeichen der Solidarität Karikaturen, die sich mit den Angriffen auseinandersetzen. So zeigt die libysche Zeitung „Al-Wasat“ den berüchtigten Extremisten „Jihadi John“, wie er vor laufender Kamera einen Stift enthaupten will. „Jihadi John“ hatte im vergangenen Sommer mehrere Geiseln des Islamischen Staates (IS), darunter britische und amerikanische Journalisten, getötet. Die ägyptische Zeitung „Masry al-Youm“ dreht den Spieß um: Ein mit einem Stift bewaffneter Zeichner jagt ein gehörntes Ungeheuer, auf dem „Intoleranz“ geschrieben steht.
In einem Kommentar benennt die Zeitung die islamistischen Angriffe in Frankreich als Massaker, die „nichts mit Religion zu tun haben“. Als Adresse an die Attentäter heißt es weiter: „Zeitungen kann man nicht erschießen.“ Für Samstagabend hat die Zeitungsgewerkschaft Marokkos eine Mahnwache in der Hauptstadt Rabat angekündigt. Die ägyptische Gewerkschaft plant unter dem Titel „Zur Verteidigung der Meinungsfreiheit und dem Wohl der freien Rede“ in der Hauptstadt Kairo ebenfalls eine Mahnwache für Sonntag.

Extremisten hingegen bejubeln die Ereignisse. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet den Anschlag in Paris als Beginn einer Terrorreihe mit weiteren Angriffen in Europa und den USA. Die Gruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) droht Frankreich ebenfalls mit weiteren Anschlägen.


In Afghanistan feierten hunderte muslimische Gläubige den tödlichen Anschlag auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" gefeiert. Bei einer Kundgebung nach den Freitagsgebeten im Bezirk Chora im Süden des Landes seien die beiden Attentäter als "Helden" bezeichnet worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Nach Ansicht der Demonstranten seien diejenigen bestraft worden, die den Propheten Mohammed beleidigt hätten. Die Teilnehmer hätten auch die Haltung von Präsident Aschraf Ghani kritisiert, der erklärt hatte, für eine solche brutale Tat gebe es keine Rechtfertigung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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