„Charlie Hebdo“: Proteste gegen Mohammed-Karikatur im Niger

„Charlie Hebdo“
Proteste gegen Mohammed-Karikatur im Niger

„Charlie Hebdo“ polarisiert weiter: Die neue Ausgabe hat heftige Proteste gegen die abgebildete Mohammed-Karikatur im westafrikanischen Niger ausgelöst. Demonstrationen vor der größten Moschee eskalierten.
  • 2

Niamey/BerlinBei Protesten gegen die Mohammed-Karikatur der neuen „Charlie Hebdo“-Ausgabe ist es am Samstag im westafrikanischen Niger erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. In der Hauptstadt Niamey ging die Polizei mit Tränengas gegen mehrere Hundert Demonstranten vor, die mit Steinen warfen. Es seien zwei Kirchen angezündet worden, berichtete der Journalist Birahim Ousmane am Telefon.

Vor der größten Moschee gingen mindestens zwei Polizeiautos in Flammen auf, nachdem ein von Muslimen angekündigter Demonstrationszug verboten worden war. In Zinder, der zweitgrößten Stadt Nigers, waren nach Polizeiangaben am Freitag mindestens drei Zivilisten und ein Polizist bei Protesten gegen die Karikatur umgekommen.

Auch in anderen früheren französischen Kolonien wie Mali, dem Senegal und Mauretanien hatte es am Freitag Protesten gegeben, die aber friedlich verliefen. Ausschreitungen gab es dagegen auch in Pakistan und in Algerien. Frankreichs Präsident Francois Hollande rief am Samstag dazu auf, die Rede- und Meinungsfreiheit auch in anderen Ländern zu achten. Es gebe Spannungen in Ländern, in denen die Menschen Frankreichs Verbundenheit mit diesem Grundrecht nicht verstünden.

Am Mittwoch war die erste Ausgabe des Satireblatts „Charlie Hebdo“ seit den Anschlägen von zwei französischen Islamisten auf die Pariser Redaktion erschienen. Die Attentäter töteten zwölf Menschen, die meisten davon Mitarbeiter des Blattes. Die Zeitung ist wegen ihrer generellen religionskritischen Haltung und der Mohammed-Karikaturen bekannt. Nach Ansicht vieler Muslime sind Darstellungen des Propheten generell verboten.

Auf der neuen Ausgabe ist eine Darstellung Mohammeds zu sehen, der ein Schild mit dem weit verbreiteten Solidaritätsaufruf „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) hält. Über dem Mohammed-Bild steht: „Tout est pardonné“ („Alles ist vergeben“). Die neue Ausgabe soll in einer Auflage von sieben Millionen Exemplaren statt der sonst etwa 60.000 erscheinen. In Frankreich war das Blatt am Mittwoch binnen Minuten ausverkauft.

Auch in Deutschland, wo das Blatt erst am Samstag ausgeliefert wurde, war die Ausgabe rasch vergriffen. Auf dem Berliner Hauptbahnhof standen in den frühen Morgenstunden etwa 100 Interessenten an - zu kaufen gab es aber nur zwei Exemplare. Eine Kiosk-Betreiberin im Berliner Stadtteil Neukölln sagte, sie habe etwa 50 Vorbestellungen von Kunden gehabt. Der Pressevertrieb habe ihr 20 Ausgaben zugesagt - geliefert worden sei nur eine.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Charlie Hebdo“: Proteste gegen Mohammed-Karikatur im Niger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • War Frau Mwerkel auch vor Ort um gegen Toleranz und Meinungsfreiheit zu sdemonstrieren? Warum ist eine Christin nur noch für den Islam??? Wann kommen endlich wieder Kreuze in den öffentlichen Gebäuden um Flagge zu zeigen??

  • „„Charlie Hebdo“ polarisiert weiter: Die neue Ausgabe hat heftige Proteste gegen die abgebildete Mohammed-Karikatur im westafrikanischen Niger ausgelöst. Demonstrationen vor der größten Moschee eskalierten.“

    Das kommt mir sehr bekannt vor und zeigt, wie schnell es islamischen Schaftmachern gelingt die muslimische Masse in Aufruhr zu versetzen. Nicht „Charlie Hebdo“ polarisiert, sondern islamische Prediger wiegeln auf. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß es in Frankreich wohnende Imame sind, die die Zeitung dorthin gebracht haben, um „ihre Mitgläubigen“ anzustacheln; und wenn es um vermeintliche „Beleidigung“ des Propheten geht, braucht es nur ein Wort und die Gläubigenseele kocht.
    Der Imam von Kopenhagen ist bei den dänischen Karikaturen ähnlich vorgegangen und hat während des Fluges mit seinen Begleitern noch einige Karikaturen dazugezeichnet, welche dann die Eskalation mit Toten beförderte. Sie bildete den Propheten mit Schweinerüssel ab. Das Bild stammte aus einer süddeutschen Zeitung und war Teil eines Berichts über einen lokalen Grunzwettbewerb, hatte mit den Karikaturen nichts zu tun. Nachdem er Gewahr wurde, was er angerichtet hatte, kam: „Das habe ich nicht gewollt.“ Inzwischen ist er verstorben, die Morddrohungen und Mordversuche gegen Kurt Westergaard bestehen, bzw. gehen indes weiter und konnten durch die dänische Polizei und Geheimdienst verhindert werden.

    „Nach Ansicht vieler Muslime sind Darstellungen des Propheten generell verboten.“

    Dies trifft ausschließlich für Muslime zu. Für Anders- oder Nichtgläubige besteht keinerlei Verpflichtung sich nach islamischen Regeln zu verhalten, nur weil viele Muslime nicht mit den Freiheiten einer pluralen und offenen Gesellschaft umgehen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%