Chelsea Manning
Obama lässt Whistleblowerin frei

Die USA ahndeten mit harter Strafe, dass Chelsea Manning Wikileaks geheime Militärdokumente zugespielt hatte. Überraschend lässt US-Präsident Barack Obama die Whistleblowerin nun bereits 2017 frei – statt 2045.
  • 0

Washington Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit.

Chelsea Manning hatte als Soldat Bradley Manning im Irak gedient und der Enthüllungsplattform Wikileaks Hunderttausende geheime Militärdokumente zugespielt. Sie wurde im Mai 2010 im Irak festgenommen und 2013 vor einem Militärgericht wegen Geheimnisverrats und Spionage zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt. Zusätzlich wurde Manning unehrenhaft aus der Armee entlassen und rückwirkend im Rang degradiert.

Manning hatte bereits 2013 ein Gnadengesuch an Barack Obama gestellt. Die 29-Jährige, die eine operative Geschlechtsangleichung will, hat in der Haft bereits zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Einen Hungerstreik gab sie nach Angaben ihres Anwalts im vergangenen September auf, nachdem ihr für die nähere Zukunft eine Operation zugesagt worden war.

Wikileaks-Gründer Julian Assange hatte vor wenigen Tagen erklärt, er sei bereit, sich an die USA ausliefern zu lassen, falls Manning begnadigt würde. Der 45-jährige Australier war vor mehr als vier Jahren in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um einer Festnahme zu entgehen. Gegen Assange liegt ein Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Er fürchtete eine Auslieferung an Skandinavien und von dort in die USA, wo ihm eine lange Haft droht. Assange nannte Mannings Vorgehen „heroisch“. Seine Stellungnahme ließ offen, ob er nun tatsächlich bereit ist, sich an die USA ausliefern zu lassen.

Für die US-Regierung waren Mannings Enthüllungen desaströs. Die Veröffentlichung der Papiere unter anderem über die Kriege im Irak und in Afghanistan sorgten weltweit für Wirbel. Die Preisgabe von Diplomaten-Depeschen blamierte US-Botschafter und Politiker in aller Welt. Darunter waren auch Aufnahmen aus Bagdad, die den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten und Journalisten aus einem US-Kampfhubschrauber zeigen.

Auch Whistleblower Edward Snowden zeigte sich begeistert von der Mannings Begnadigung. Er bedankte sich via Twitter bei Obama.

Der Vorsitzende im US-Repräsentantenhaus, Paul Ryan, verurteilte hingegen Obamas Entscheidung über die Haftverkürzung der Whistleblowerin Chelsea Manning als „empörend“. Sie habe „das Leben der Amerikaner riskiert und einige der sensibelsten Geheimnisse der Nation entblößt“, kritisierte der Republikaner am Dienstag nach der Verkündung. Der scheidende US-Präsident setze damit einen Präzedenzfall: Diejenigen, die die nationale Sicherheit kompromittierten, würden nicht für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Obama war immer wieder gedrängt worden, Manning zu begnadigen, bevor er sein Amt am Freitag an seinen republikanischen Nachfolger Donald Trump übergibt. Von dieser Möglichkeit machte er jetzt Gebrauch. Insgesamt verkürzte er die Haftzeit von 209 Häftlingen. Die meisten von ihnen waren wegen nicht gewalttätiger Drogenvergehen verurteilt worden.

Außerdem erließ Obama 64 Personen ihre Strafen ganz, unter ihnen der pensionierte General James Cartwright, der wegen Falschaussagen bei der Untersuchung zur Weitergabe von Geheiminformationen verurteilt worden war.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Chelsea Manning: Obama lässt Whistleblowerin frei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%