Chemiewaffeneinsatz in Syrien
Obama erwägt Waffenlieferung an Rebellen

US-Präsident Obama warnt vor einem vorschnellem Urteil zum Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Zuerst müsse er bei den Fakten sicher sein, dann könne er handeln. Deutschland und die USA wollen sich eng abstimmen.
  • 3

WashingtonUS-Präsident Barack Obama erwägt nach einem Pressebericht die Lieferung von Waffen an syrische Rebellen. Dies berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter. Eine abschließende Entscheidung wolle er aber erst innerhalb der nächsten Wochen fällen.

Obama selbst sagte am Dienstag (Ortszeit), als Antwort auf einen syrischen Chemiewaffeneinsatz gebe es verschiedene „Optionen“. Auch einen Militäreinsatz schloss er nicht ausdrücklich aus. Vor möglichen Reaktionen müssten aber klare Beweise über einen Giftgaseinsatz vorliegen.

Allerdings ziehe Obama eine Verhandlungslösung in Syrien vor, berichtete die „Washington Post“ weiter. Die US-Regierung habe daher einen neuen Anlauf genommen, Russland dazu zu bringen, die Unterstützung für Machthaber Baschar al-Assad aufzugeben.

Bisher hatte Washington Waffen für die Opposition in Syrien strikt abgelehnt - weil sie in die Hände muslimischer Extremisten fallen könnten und den Konflikt nur weiter anheizen würden.

Zugleich vereinbarte Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit seinem US-Kollegen Chuck Hagel eine enge Abstimmung beim Thema Chemiewaffeneinsatz in Syrien.

Eine Intervention in Syrien beurteilte de Maizière allerdings skeptisch: „Die Optionen, die man sich vorstellen könnte, haben alle schwere Nachteile. Wir sind in einer wirklich sehr schwierigen Situation“, sagte der CDU-Politiker zum Abschluss seines USA-Besuchs. „Deswegen rechne ich dort nicht mit kurzfristigen Entscheidungen.“

Indessen rückt der Krieg immer näher an Assad heran. In gut bewachten Innenstadt-Vierteln von Damaskus häufen sich Terroranschläge. Bei der Detonation eines mit Sprengstoff beladenen Autos am Al-Mardsche-Platz starben am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana 13 Menschen.

Die syrische Luftwaffe bombardierte nach Angaben von Aktivisten einen Grenzübergang an der Grenze zur Türkei. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe ein Flugzeug gesehen, das den Grenzübergang Bab al-Hawa auf der syrischen Seite angegriffen habe.

Obama gerät beim Thema Syrien zunehmend unter Handlungsdruck - nicht zuletzt, weil er einen Chemiewaffenseinsatz vor Wochen als eine „rote Linie“ bezeichnet hatte.

Doch Obama betonte erneut, die USA hätten bisher keine eindeutigen Erkenntnisse über einen Chemiewaffeneinsatz des Assad-Regimes. Zwar gebe es Beweise, dass Giftgas eingesetzt worden seien. Aber „wir wissen nicht, wie sie genutzt wurden, wann sie genutzt wurden und wer sie nutzte“, sagte Obama.

Sollte Assad das Gift verwendet haben, wäre das „eine Änderung der Spielregeln“ nicht nur für die USA, sondern auch für die internationale Gemeinschaft, bekräftigte Obama.

Die Amerikaner stehen einer Intervention in Syrien indessen betont skeptisch gegenüber. Zwei von drei Befragten sprachen sich in einer Umfrage gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien und Nordkorea aus. Nach der Studie im Auftrag der „New York Times“ und des Senders CBS sind lediglich 24 Prozent der Befragten der Auffassung, die USA hätten eine Verantwortung, in Syrien einzugreifen.

Indessen rückt der Krieg immer näher an Assad heran, in den gut bewachten Innenstadt-Vierteln von Damaskus häufen sich die Terroranschläge. Bei der Detonation eines mit Sprengstoff beladenen Autos am Al-Mardsche-Platz starben am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana 13 Menschen. Krankenhausärzte zählten 70 Verletzte. Regimegegner sprachen von insgesamt 15 Toten, darunter drei Angehörige der Regierungstruppen. Erst am Montag hatten Unbekannte den Konvoi von Ministerpräsident Wael al-Halki angegriffen - der Regierungschef überlebte den Anschlag unverletzt. Elf Passanten und Begleiter des Ministerpräsidenten starben.

Die syrische Luftwaffe bombardierte nach Angaben von Aktivisten einen Grenzübergang an der Grenze zur Türkei. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe ein Flugzeug gesehen, das den Grenzübergang Bab al-Hawa auf der syrischen Seite angegriffen habe. Nach Informationen von Aktivisten vor Ort wurde ein Kind getötet. Mehrere Vertriebene, die neben dem Grenzübergang in Zelten hausen, wurden verletzt.

Allein am Dienstag sollen in Syrien 105 Menschen getötet worden sein, am Montag hatten die Syrischen Menschenrechtsbeobachter landesweit 170 Tote gezählt. Zu den beiden Autobomben-Anschlägen bekannte sich niemand.

Die Nationale Syrische Opposition forderte den Weltsicherheitsrat auf, die syrische Regierung zu zwingen, eine Untersuchung über den möglichen Einsatz von Giftgas zuzulassen. Bisher gibt es Hinweise der US-Geheimdienste, die aber keine eindeutige Aussagen machen. Am Montag habe es in der Ortschaft Sarakib (Provinz Idlib) erneut einen Verdachtsfall gegeben. Nach einem Hubschrauberangriff waren mehrere Menschen mit „Erstickungsanfällen“ in umliegende Krankenhäuser gebracht worden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Chemiewaffeneinsatz in Syrien: Obama erwägt Waffenlieferung an Rebellen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Obama kündigt an. Die liefern doch schon. Was soll das. Der ist auch nicht besser als der Bush, nur ein wenig geschickter.
    Es gibt derzeit 4 Störenfriede auf Erden. Das sind die USA, Israel, Saudi Arabein und Nordkorea.
    Was uns in D betrifft, wir haben die USA zum Freund. Da brauchen wir ja nun gar keine Feinde mehr.

  • Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die USA den von den Saudis gesteuerten Al-Kaida Gruppen zum Sieg über Assad verhelfen.
    Nur müssen sie sich später nicht ´wundern, wenn sie dann mit ihren eigenen Waffen von Al-Kaida wieder angegriffen werden.

    Und die Russen, Chinesen werden nur dumm zuschauen, da sie zu blöd sind ihre Rolle in der Weltgemeinschaft auszuspielen.

  • Syrien: Rebellen töten Soldaten mit Giftgas Dezember 24, 2012
    Offenbar haben syrische Rebellen erstmals chemische Waffen gegen Assads Regierungstruppen eingesetzt. Drei Plastikbehälter mit Giftgas sollen auf Soldaten geworfen worden sein, wodurch sieben Einsatzkräfte ums Leben kamen.

    Rebellen setzen erstmals Giftgas im Kampf gegen Regierungstruppen ein

    Verschiedene Medien haben gemeldet, dass Rebellen in Syrien mittels chemischen Waffen einen Angriff auf Regierungstruppen durchgeführt haben. Die Vorgehensweise war dabei ziemlich primitiv: So sollen bei Gefechten in Darya, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, drei Plastikbehälter in Richtung der Soldaten geschleudert worden sein, aus denen Gas ausströmte. Sieben Soldaten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Das gelbe Gas führt bei einatmen angeblich zu Lähmungen und binnen einer Stunde zum Tod......

    http://fcoebedenklich.wordpress.com/2012/12/24/syrien-rebellen-toten-soldaten-mit-giftgas/

    Das Ziel der Rebellen ist , einen Islamischen Gottesstaat zu errichten und Israel zu vernichten . Dazu sind diese Chemischen Kampfstoffe "Ideal geeignet "
    Man muss sie nur noch beherrschen , das setzt eine gewisse Übung voraus , eine Übung die hier nachweislich stattgefunden hat .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%