Chen Guangcheng
China stellt blindem Bürgerrechtler Ausreise in Aussicht

Zunehmend verzweifelt ringt der chinesische Dissident Chen Guangcheng um Hilfe. Per Telefon hat sich der bedrohte Bürgerrechtler an einen US-Abgeordneten gewandt. China reagiert und baut Chen eine Brücke in die Freiheit.
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WashingtonDer chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist äußerst besorgt um seine Sicherheit und sucht Hilfe. „Ich bin in ernster Gefahr“, sagte der blinde Dissident in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Er habe das Gefühl, dass die ganze Familie völlig ungeschützt sei.

Seitdem er die US-Botschaft vor zwei Tagen verlassen habe, versuchten amerikanische Diplomaten vergeblich, persönlich mit ihm in Kontakt zu treten. Sie würden aber nicht in das Chaoyang Hospital gelassen. „Gerade wollte meine Frau vor die Tür gehen, um ein paar Dinge zu kaufen, aber sie braucht die Genehmigung von verschiedenen Stellen.“

Im Krankenhaus seien viele Wachen und riegelten ihn und seine Familie ab. Der 40-Jährige wirkte in dem kurzen Gespräch aufgeregt und verängstigt. Er bekräftigte seinen Wunsch, in die USA auszureisen. Er wolle aber nicht Asyl beantragen, sondern nur studieren.

Die Führung in Peking hat dem aus dem Hausarrest geflohenen Bürgerrechtler Chen Guangcheng nun allerdings freigestellt, einen Antrag für ein Studium im Ausland zu stellen. Wenn Chen im Ausland studieren wolle, könne er „wie die anderen chinesischen Bürger“ einen Antrag bei den zuständigen Behörden stellen, hieß es in einer am Freitag im Internet veröffentlichten Erklärung des chinesischen Außenministeriums. Der blinde Bürgerrechtler, der am 22. April aus dem ihm auferlegten Hausarrest geflohen und zunächst in der US-Botschaft Zuflucht gefunden hatte, hat nach Angaben eines Unterstützers eine Einladung einer New Yorker Universität.

Unterdessen traf US-Außenministerin Hillary Clinton in Peking mit den chinesischen Führung zusammen. Einzelheiten ihrer Gespräche mit Staats- und Parteichef Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao im Rahmen des laufenden strategischen und wirtschaftlichen Dialogs wurden zunächst nicht bekannt.
Zuvor hatte der chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng den US-Kongress in einem Telefonat persönlich um Unterstützung gebeten. „Ich möchte Ministerin Clinton treffen und hoffe, dass ich weitere Hilfe von ihr bekommen kann“, sagte Chen am Donnerstag ihn einem Gespräch mit Chris Smith während einer Ausschusssitzung zu China im Repräsentantenhaus, die der Abgeordnete leitete.

„Ich möchte in die USA kommen, um mich ausruhen zu können“, sagte Chen im Telefonat, das auch live im TV übertragen wurde. Dies habe er zehn Jahre nicht tun können. Am meisten sorgen er sich derzeit um die Sicherheit seiner Mutter und seiner Brüder. Er wolle wissen, wie es ihnen gehe. Auch mache er sich Sorgen um all die Menschen, die ihm bei Flucht geholfen hätten.

Der Chef der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation ChinaAid, Bob Fu, sagte bei einer Pressekonferenz, Chen wolle in die USA ausreisen, jedoch kein Asyl beantragen.

Der blinde Bürgerrechtler hatte seinen Sinneswandel, doch aus China ausreisen zu wollen, bereits zuvor mit Sorgen um seine Sicherheit begründet. Seine Frau sei massiven Drohungen ausgesetzt und seine Familie als Druckmittel benutzt worden, damit er die US-Botschaft verlasse. Der Bürgerrechtler hatte sich in die US-Vertretung in Peking geflüchtet, nachdem er aus monatelangem Hausarrest entkommen war.

Nach Verlassen der Botschaft sah er sich von US-Diplomaten getäuscht und unzureichend geschützt. Trotz dieser Kritik kann Chen weiter mit amerikanischer Unterstützung rechnen. Am Rande des Besuches von Außenministerin Hillary Clinton in Peking sprachen US-Beamte mit Chinas Regierung über seine Zukunft, äußerten sich aber zurückhaltend über die Aussichten. Ein US-Beamter sagte, man tue, was man könne, um ihm zu helfen.

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