Chile

Piñera gewinnt Präsidentenwahl

Bachelet, Piñera, Bachelet und nun wieder Piñera: Das Wechselspiel zwischen Links und Rechts an der Staatsspitze in Chile geht weiter. Vier Jahre lang haben nun wieder die Konservativen das Sagen.
Update: 18.12.2017 - 10:17 Uhr Kommentieren
Chile: Sebastián Piñera gewinnt Präsidentenwahl Quelle: AFP
Chile

Anhänger von Sebastian Piñera feiern den Wahlsieg.

(Foto: AFP)

Santiago de ChileNach vier Jahren unter einer linken Regierung rückt Chile wieder nach rechts. Milliardär Sebastián Piñera eroberte in einer Stichwahl am Sonntag zum zweiten Mal das Präsidentenamt. Der 68-Jährige setzte sich mit 54,6 zu 45,4 Prozent gegen den Mitte-links-Kandidaten Alejandro Guillier durch, wie die Wahlkommission mitteilte. Piñera, der bereits von 2010 bis 2014 Präsident war, beerbt damit zum zweiten Mal die linke Staatschefin Michelle Bachelet, die das Land von 2006 bis 2010 und dann wieder seit 2014 führte.

Der frühere Airline-Chef Piñera hatte versprochen, bei einem Wahlsieg die Wirtschaft in dem südamerikanischen Land anzukurbeln. In der ersten Wahlrunde im November stimmten 36,6 Prozent der Wähler für ihn, Senator Guillier kam damals auf 22,7 Prozent und damit gegen Piñera in die Stichwahl.

„Heute ist die Stimme aller Chilenen gehört worden“, sagte Piñera bei seiner Siegesrede. „Wir begrüßen diesen Triumph mit Demut und Hoffnung.“ Er dankte seinem Rivalen und rief das Volk zu Einheit auf.

Während Piñera im Wahlkampf unter anderem Steuerkürzungen für Unternehmen versprochen hatte, hatte der 64-jährige Guillier damit geworben, Bachelets linken Kurs beizubehalten. Er versprach soziale Reformen bei Bildung, Renten und in der Gesundheitsversorgung.

2014 war Piñera noch mit niedrigen Umfragewerten aus dem Amt geschieden. Als Präsident hatte er mit massiven Protesten zu kämpfen gehabt. Unter anderem forderten junge Chilenen mehr Chancengleichheit und ein besseres Bildungssystem.

Darauf schwenkte das Land damals wieder zur linken Präsidentin Bachelet um. Doch in ihrer zweiten Amtszeit wuchs die Wirtschaft Chiles, des weltgrößten Kupferproduzenten, nicht wie erhofft. Zudem warfen auch ihre Anhänger Bachelet vor, die versprochenen sozialen Reformen nicht umgesetzt zu haben.

Piñera konnte nach Ansicht von Experten unter anderem mit einem Vergleich mit dem wirtschaftlich darniederliegenden Venezuela Wähler mobilisieren. Er stellte seinen Gegner Guillier in die Nähe des sozialistischen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, dessen Land trotz seines Ölreichtums mit einer massiven Inflation und Lebensmittelknappheiten zu kämpfen hat. Ein solches Spiel mit der Angst könne auch Wähler von den Urnen fernhalten, sagte Experte Javier Sajuria von der Queen Mary University in London. Piñera sei aber diese Gratwanderung gelungen und er habe mit seinen Versprechen auch Nichtwähler angesprochen. Zudem habe er von einer zersplitterten Linken profitiert, erklärte Sajuria.

Jahrelang hatten linke Regierungen die politischen Geschicke in Lateinamerika dominiert. In Ländern wie Argentinien, Peru oder Paraguay sind aber mittlerweile Konservative an der Macht.

  • dpa
  • ap
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