China baut Einfluss aus
Aufschwung in Angola – doch die Armut bleibt

Vier Jahre nach dem Ende eines Bürgerkriegs, der fast die Hälfte seiner elf Millionen Menschen entwurzelt hat, gibt es in Angola Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Ölproduktion boomt: In den ersten drei Monaten dieses Jahres verschiffte das Land im Südwesten von Afrika pro Tag 450 000 Barrel Rohöl nach China – und überholte damit Saudi Arabien und Iran als Pekings größte Lieferanten.

KAPSTADT. Im Gegenzug hat China sich bereit erklärt, drei Mrd. Dollar in den Bau einer angolanischen Raffinerie zu stecken; die einheimischen Raffinerien decken noch immer nicht den inländischen Bedarf an Treibstoff. Daneben hat China den Angolanern zinsgünstige Kredite zum Aufbau der im Krieg zerstörten Infrastruktur gewährt.

Während in der Hauptstadt Luanda protzige Bürogebäude aus dem Boden schießen, leben die Menschen in seinen Vororten noch immer überwiegend ohne Wasser, Strom und Kanalisation. Luandas Infrastruktur stammt aus der Kolonialzeit und ist auf maximal 700 000 Menschen ausgelegt. Mittlerweile leben indes fast fünf Millionen Menschen in der Hauptstadt, die Besucher als Kloake beschreiben. Die hygienischen Verhältnisse führten nun zu einer Cholera-Epidemie, die laut Uno leicht außer Kontrolle geraten könnte. Seit ihrem Ausbruch im Februar sind mehr als 1 000 Menschen an ihr gestorben, fast 30 000 haben sich infiziert.

Dabei könnte Angola besseren Zeiten entgegengehen. Denn vor der Küste lagern große Ölreserven. Mit über einer Mill. Barrel am Tag ist das Land hinter Nigeria der zweitgrößte Förderer in Schwarzafrika. Bis 2008 soll die Produktion auf mehr als zwei Mill. Barrel steigen. Daneben gibt es im Norden leicht abbaubare Diamanten. Laut des Förderers De Beers ist Angola der weltweit fünftgrößte Produzent der edlen Steine. Nachdem Angolas Wirtschaft im vergangenen Jahr dank des Ölbooms um fast zwölf Prozent wuchs, erwartet die Regierung dieses Jahr sogar mehr als 20 Prozent. Bislang haben die meisten Angolaner davon aber nichts gespürt. Fast drei Viertel von ihnen leben noch immer von weniger als einem Dollar am Tag und somit unter der Armutsgrenze.

Ein Grund liegt darin, dass Angolas Machthaber einen Großteil der Ölproduktion im voraus verpfändet hat. Diese Praxis ermöglicht dem Regime, sich selbst zu bereichern. Damit hängt offenbar auch zusammen, dass Angola bislang keine Geberkonferenz abgehalten hat, um die laut Weltbank benötigten 30 Mrd. US-Dollar für den Aufbau der zerstörten Infrastruktur zu erhalten. Offenbar befürchten die Machthaber, Rechenschaft ablegen zu müssen. Staatspräsident Eduardo dos Santos, regiert das Land seit einem Vierteljahrhundert.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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