China-Besuch
Merkel wendet sich gegen Solarzölle

Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei der EU-Kommission ihren Einfluss geltend machen, um eine Strafsteuer für chinesische Solar-Produkte zu verhindern – und tut ihren Gastgebern damit einen großen Gefallen.
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PekingBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in Peking dafür ausgesprochen, ein Anti-Dumping-Verfahren der EU gegen China bei der Welthandelsorganisation möglichst zu vermeiden. „Wir sollten versuche, unsere Probleme im Solarbereich auf Ebene einer Beschwerde zu lösen", sagte Merkel am Donnerstag in Peking. "Wir sollten verhindern, dass es zu einer Anti-Dumping-Klage kommt.“

Die Bundeskanzlerin sprach sich grundsätzlich dafür aus, Unstimmigkeiten in Handelsfragen durch Gespräche zu lösen, statt es „auf Klagen vor Gericht“ ankommen zu lassen. Sie hob hervor, dass freier Handel und Kooperation gerade zwischen den Exportländern China und Deutschland besonders wichtig seien.

Merkel befindet sich zusammen mit sieben Ministern auf Chinareise. Ihr Gastgeber, Premier Wen Jiabao, lobte den Vorstoß der deutschen Regierungschefin gegen Protektionismus: „Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse unserer Gespräche von heute.“

Der große deutsche Solarmodulhersteller Solarworld hat in Amerika bereits Strafzölle durchgesetzt. Begründung: Die Chinesen könnten wegen Subventionen unter Preis anbieten. Solarworld hat nun zusammen  mit 20 weiteren Unternehmen bei der EU-Kommission die Prüfung einer Anti-Dumping-Klage beantragt.

Genauso wie in Deutschland gilt die Photovoltaik in China als Schlüsselindustrie, die von verschiedenen Förderprogrammen direkt oder indirekt profitiert. Zuletzt sind hier zahlreiche Arbeitsplätze entstanden; im gleichen Zug sind die chinesischen Anbieter zu den größten der Welt aufgestiegen. „Die Fragen von Handelshemmnissen sind sehr ernst zu nehmen“, sagt Ökonom Huo Jianguo, Leiter einer regierungsnahen Denkfabrik, der Chinese Academy of International Trade and Economic Cooperation.

Huo sieht in steigenden Protektionismus die Gefahr für ein Eigentor, oder, wie er mit einem chinesischen Sprichwort sagt: „Es kann einem der Stein auf die Füße fallen, den man zum Werfen aufgehoben hat.“ Denn von Chinas Solarboom profitieren auch zahlreiche europäische Unternehmen. Gerade Deutsche Firmen liefern den chinesischen Solarherstellern nicht nur die Maschinen und sonstige Industrieausrüstung, sondern auch große Mengen von Rohstoffe. Hier könne China zu einem Gegenschlag ansetzen.

China wäre im Falle eines Frontalangriffs bei seiner Reaktion nicht zimperlich  – das Handelsministerium in Peking hat reichlich Erfahrung mit Zoff. Fast die Hälfte aller Verfahren vor der Welthandelsorganisation betreffen den Exportweltmeister zumindest als Drittland. Die Chinesen sind derzeit in neun Fällen Kläger und in 27 Fällen die Beklagten. Aktuelle Verfahren betreffen den Handel mit so verschiedenen Warengruppen wie Stahlerzeugnisse, Papier, Meeresfrüchte oder Diamantsplitter-Sägeblätter. In praktisch keinem der Fälle hat China den Streit jedoch angefangen. Das Exportland weiß, dass eine Gegenreaktion unterm Strich fast immer auf Kosten seiner Überschüsse gehen würde.

Unabhängig davon, ob jetzt die Europäer oder die Chinesen ihre Solarbranche stärker subventioniert haben – China behält den Vorteil, praktisch alles günstiger produzieren zu können. Die Löhne sind niedriger, die Rahmenbedingungen radikal unternehmensfreundlich und der routinierte Zugang zum Weltmarkt erlaubt größere Volumina. „China ist einfach effizienter in der Herstellung identischer Massenware“, gibt auch ein deutscher Firmenchef aus dem Anlagenbau zu. „Das gilt für Solarpanels genau wie bisher schon für Flüssigkristallanzeigen oder Halbleiter.“ 

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " China-Besuch: Merkel wendet sich gegen Solarzölle"

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  • Wenn wir so unglaublich teuer sind, warum muß dann der angebliche "Billigheimer" mit allen Mitteln seine Industrie schützen? Warum bekommt zumindest kein europäischer Hersteller den Fuß auf den Boden bei der Ausschreibung von Windkraftanlagen in China? Weil er zu teuer ist? Nein leider erhält er nicht mal - trotz umfänglichen Bemühens - die Ausschreibungsunterlagen. Da ist es nur fair, dass Frau Merkel gegen Strafzölle ist.

  • Wie bitte, die Frau kann nicht nein sagen. Das kann sie doch ausgesprochen gut, zu mindest wenn es um Anliegen der Deutschen geht.





  • Oh man das ist ja nicht auszuhalten! Diese ständige Schwarzseherei. Im ernst, dann gibt es halt ne Krise, die gab es schon seit Menschengedenken. Solange es keinen dritten Weltkrieg mit Atomwaffen gibt, sollte man doch den Ball flach halten.

    Zum Artikel bzw. zu den jeweilgen negativen Kommentaren. FAKT ist -und das war es schon vor dem Solarboom- das Deutschland generell -was die Produktion von Solarzellen angeht, einfach ein viel zu teurer Standort war und ist. Hat hier wirklich einer der hier anwesenden gedacht, dass wir mal so eben mit Massenproduktionen in Deutschland die fetten Gewinne machen werden. Ich bitte sie, an einer Solarzelle ist nichts kompliziertes dran. Das wäre als würde Deutschland anfangen wieder Kleidung für die Masse zu produzieren um sich anschließend über Billigwaren aus Indien aufzuregen und mit Strafzöllen zu kontern.

    Ein weiterer FAKT ist, dass Deutschland nun am eigenen Leib zu spüren bekommt, wie es ist, wenn ein Land am Aufstreben ist. Wenn man dabei die Vergangenheit betrachtet, hat dies Deutschland auch schon zweimal durchgemacht -beide male endete dies in zwei Kriegen -da sich die bisherigen Nationen bedroht fühlten.
    England war damals was den Maschinenbau anging dem Bauernstaat Deutschland deutlich überlegen. Erst als die Deutschen die Bauteile kopierten und sogar noch besser zu einem niedrigeren Preis auf den Markt plazierten, kam es zum ersten Konflikt. Dann kam das Wettrüsten und dann der Krieg!!

    Deutschland gehört mit der Schweiz, Österreich und China zu den Ländern, die von allen anderen am besten verstehen, wie man wirtschaftet -hier sind mehr die jeweiligen Industrien gemeint. Aus wirtschatlicher Sicht braucht Deustchland den Euro überhaupt nicht!! Politisch gesehen evtl. schon.

    Und was den steigenden Ölpreis angeht, können wir uns auch freuen, denn damit finazieren wir am ende des Tages den Verrückten aus Dubai ihr "Disneyland". Was zum größten Teil nur durch deutsches Know-how möglich ist!!




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