China
Blinder Bürgerrechtler flieht aus Hausarrest

Eineinhalb Jahre war er unter Hausarrest, jetzt ist dem chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangchen die Flucht geglückt. Wo sich der blinde Aktivist jetzt befindet, darüber wird bislang nur gemutmaßt.
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PekingDer blinde chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng ist nach eineinhalb Jahren Hausarrest seinen Bewachern entkommen. Wie seine Familie und internationale Menschenrechtsorganisationen am Freitag berichteten, entkam der 40-Jährige im Dorf Dongshigu nahe der Stadt Linyi in der ostchinesischen Provinz Shandong seinen Bewachern.

Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation ChinaAid berichtete, der Bürgerrechtler verstecke sich „an einem absolut sicheren Ort in Peking“. Die Aktivistin He Peirong wies einen Medienbericht zurück, wonach sich Chen am Donnerstag in die US-Botschaft in Peking begeben habe. Die Botschaft lehnte eine Stellungnahme ab.

He berichtete der britischen Zeitung „The Times“, er sei am Sonntagabend über eine Mauer seines Hauses geklettert. Ohne Hilfe sei der Blinde stundenlang zu Fuß gelaufen, bevor er Kontakt zu ihr aufgenommen habe. Mit Hilfe von Freunden habe sie ihn dann aufgegriffen und an einen sicheren Ort gebracht.

Die Staatssicherheit fahnde seit Donnerstag nach ihm, eine Garantie für seine Sicherheit gebe es nicht.

Der Bürgerrechtsanwalt Chen gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Er ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind und setzte sich gegen Zwangsabtreibungen und -sterilisationen ein. Bis September 2010 verbüßte er deswegen eine vierjährige Haftstrafe, seither stand er ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest. Mehrfach drangen Behördenvertreter in das Haus ein und verprügelten ihn. Sein Schicksal wurde auch im Westen aufmerksam verfolgt.

Seit Ablauf einer Haftstrafe im September 2010 war Chen Guangcheng in seinem Haus festgehalten worden. Die USA hatten sich wiederholt für seine Freilassung eingesetzt.

Aktivistin He sagte, Behördenvertreter seien in das Haus von Chens Bruder eingedrungen. „Sie haben alle Familienmitglieder verprügelt, die zu Hause waren.“ Bob Fu, ein in Texas ansässiger Aktivist mit Kontakten zu Chens Familie, sagte, ein Neffe und der Vater Chens seien von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen worden. Die Sicherheitskräfte seien mit Elektroschockgeräten ausgerüstet gewesen.

Soldaten hätten das Anwesen der Familie in Dongshigu umstellt und verhinderten, dass der kranke sechsjährige Sohn des Neffen ins Krankenhaus gebracht werden könne. Fu erklärte, Chen wolle China nicht verlassen: „Er will bleiben und kämpfen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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