China
Der Wachstumsmotor stottert

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist so langsam gewachsen wie seit 25 Jahren nicht mehr. China steckt im Strukturwandel. Die Industrie leidet. Der Konsum aber zeigt sich robust – und Präsident Xi zuversichtlich.
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HongkongWang Baoan gibt sich ernst. Der Chef von Chinas Statistikamt bringt düstere Nachrichten. Die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Landes ist im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent so schwach wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gewachsen. „Wir sehen ein kompliziertes, internationales Umfeld und einen steigenden Abwärtsdruck“, sagte Wang am Dienstag.

Allerdings hatte Chinas Führung die Abkühlung der Wirtschaft erwartet. Das Wachstum lag im unteren Bereich der erst am Wochenende von Ministerpräsident Li Keqiang betonten Zielmarke von „etwa sieben Prozent“.

Nach 7,0 Prozent in den ersten beiden Quartalen 2015 und 6,9 Prozent im dritten Quartal betrug das chinesische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nur noch 6,8 Prozent, wie die Statistikbehörde weiter mitteilte. So wenig war Exportweltmeister China seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr in einem Quartal gewachsen.

Die Börsen reagierten positiv auf die Nachricht. Die wichtigen chinesischen Indizes legten etwa drei Prozent zu. Und auch in Europa sollten die Börsen zum Handelsbeginn zulegen. Vorbörslich lag der Dax etwa ein Prozent im Plus.

Aber Ängste vor einem Ende der chinesischen Wachstumsgeschichte seien übertrieben, betonte der Chefökonom des Hongkonger Vermögensverwalters Mizuho Securities (Asia) Limited, Shen Jianguang. „Ein langsameres Wachstum ist die normale Reaktion auf den Strukturwandel“, sagte Shen dem Handelsblatt.

Hervorzuheben sei hingegen, dass der Dienstleistungssektor mit 50,5 Prozent (Vorjahr: 48,1) zu mehr als der Hälfte der Wirtschaftsleistung beigesteuert habe. „Die Umstrukturierung weg von Investitionen und Exporten zu mehr Binnennachfrage scheint schneller zu funktionierten als erwartet“, sagte Shen.

Erst am Montag hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping seine höchste Führungsriege zu einer Sondersitzung zum Thema Wirtschaft zusammengerufen. Insgesamt sei er optimistisch über die zugrundeliegenden Daten der Ökonomie, sagte Xi laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Kommentare zu " China: Der Wachstumsmotor stottert"

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  • Ich finde es immer wieder bewundernswert wie schnell die Chinesen ihre Wirtschaftszahlen ihrer sehr grossen und komplexen Wirtschaft ermitteln können.

    Der Import von Rohstoffen ist rückläufig. Damit sind die Grundstoffindustrien geschrumpft. Die Industrieproduktion hat stagniert. Der Stromverbrauch stagniert. Wo kommt denn dieses Wachtum genau her?

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