China Deutsche Firmen zögern mit Investitionen

Deutsche Unternehmen fühlen sich in China immer weniger willkommen. Mit neuen Investitionen sind sie vorsichtig. Reformen bleiben aus. Jetzt will sogar die Kommunistische Partei im Management von Joint Ventures mitreden.
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Firmen wie Continental halten sich mit Investitionen in Fernost zurück. Quelle: dpa
China-Geschäft

Firmen wie Continental halten sich mit Investitionen in Fernost zurück.

(Foto: dpa)

PekingDie Bedingungen für deutsche Unternehmen in China haben sich weiter verschlechtert. Langsames und zensiertes Internet, fehlende Fachkräfte, steigender Wettbewerb, Protektionismus sowie mangelnde Rechtssicherheit gehören zu den größten Hürden, wie die jährliche Umfrage der deutschen Handelskammer (AHK) in China ergab, die am Freitag in Peking vorgestellt wurde. Zwar sind deutsche Firmen optimistisch, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft wieder stärker wächst. Doch wird es für sie nach Einschätzung von Kammerpräsident Lothar Herrmann immer schwieriger, am Wachstum teilzuhaben.

Mit weiteren Investitionen halten sich deutsche Unternehmen auch zurück. „Ein Grund ist mit Sicherheit, dass das Umfeld nicht einfacher geworden ist, sondern schwieriger“, sagte der deutsche Botschafter Michael Clauß. Die Zahl der Beschwerden oder Hilfegesuche deutscher Unternehmen bei der Botschaft habe sich in drei Jahren verdreifacht. Insgesamt hätten europäische Investitionen in China im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent abgenommen und dürften auch in diesem Jahr „in dieser Größenordnung“ zurückgehen.

„Das Gefühl, weniger willkommen zu sein, hat zugenommen“, sagte Kammerpräsident Herrmann. Erhebungen der amerikanischen und europäischen Handelskammern zeigten eine ähnliche Stimmung. In der Umfrage geben 39,1 Prozent (Vorjahr 37 Prozent) der deutschen Unternehmen in China an, sich nicht mehr so willkommen wie früher zu fühlen. Mehr als die Hälfte habe wenig oder kein Vertrauen in Zusagen der chinesischen Führung, den Markt weiter zu öffnen.

Erstmals gab mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen an, keine Investitionen mehr an neuen Orten zu planen. Zwölf Prozent haben zwar keine konkreten Pläne, China zu verlassen, aber denken zumindest darüber nach. Ihre Zahl steigt: Im Vorjahr waren es zehn Prozent. Ein kleiner Teil von 0,7 Prozent will schon in den nächsten zwei Jahren abwandern. Der Grund: Zu hohe Kosten, zu wenig Absatz und Gewinn.

Die Pein mit Chinglish
Handyverbot
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Nicht das Handy schlagen! – In dem Raum herrscht offensichtlich striktes Handyverbot. Allerdings benutzen die Chinesen das Verb „schlagen“ auch allgemein, wenn es um die Benutzung von Gegenständen geht, wie zum Beispiel bei Feuerzeugen. So ist diese Wort-für-Wort-Übersetzung entstanden. Quelle: Mikroblog Weibo

Liebe
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Hier ist etwas ziemlich schief gelaufen. Das chinesische Original lässt sich übersetzen mit: „Der Schutz des Waldes ist wie die Liebe zu seinem eigenen Zuhause. Jeder muss Feuer vermeiden.“ Mit der langen Satzkonstruktion war das Übersetzungsprogramm jedoch hoffnungslos überfordert. Quelle: Mikroblog Weibo

Überlandbus
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Haarige Angelegenheiten: Das Zeichen signalisiert eigentlich nur den Abfahrtsort für Überlandbusse. Allerdings kann das chinesische Zeichen „Fa“ sowohl Abfahrt bedeuten, als auch Frisur. Und hier hat sich der Übersetzer wohl für das falsche „Fa“ entschieden. Quelle: Forum Zhihu

Nüsse und Früchte
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„Fucking goods“ – die missglückte Übersetzung findet sich in vielen chinesischen Supermärkten. Sie zeichnet die Regale mit getrockneten Nüssen und Früchten aus. Das Wort für Trocken „gan“ wird jedoch als Schimpfwort verwendet. Den richtigen Zusammenhang haben die Übersetzungsprogramme hier wohl nicht erkannt. Quelle: Mikroblog Weibo

Haarsalon
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Verbindung verloren – Der Betreiber des Haarsalons hat auf ein Übersetzungsprogramm vertraut. Allerdings spuckte das nur einen Fehler aus. Leider scheint das Unternehmen so wenig Englisch zu verstehen, dass ihm der Fehler nicht aufgefallen ist. Und jetzt prangt ein mehr als zehn Meter breites Schild über seinem Geschäft. Quelle: Forum Zhihu

Sprunghaft verschärft haben sich die Probleme mit den langsamen Internetgeschwindigkeiten und Blockaden durch die Zensur, unter denen zwei Drittel leiden. Im Vorjahr war es erst die Hälfte. Auch die unklaren Auswirkungen des neuen Cyber-Sicherheits-Gesetzes werden als problematisch bewertet.

„Der Sicherheitsbegriff ist so weit gefasst, dass Unklarheit herrscht, wer betroffen ist“, sagte Clauß. Es bestehe Sorge, dass Server in China lokalisiert oder Verschlüsselungscodes herausgerückt werden müssten, was Geschäftsgeheimnisse gefährde.

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