International
China empört über Schuhwurf auf Regierungschef

Nach dem Schuhwurf auf Chinas Regierungschef Wen Jiabao muss sich der 27 Jahre alter Werfer in der kommenden Woche vor Gericht verantworten. Chinas Regierung reagierte empört auf den Vorfall und sprach von einer "verabscheuungswürdigen" Tat.

HB LONDON/PEKING. Aus Protest gegen die Menschenrechts-Politik Chinas hatte der Angreifer am Montag in der Cambridger Universität eine Rede Wens lautstark unterbrochen und dann einen Turnschuh auf den Politiker geschleudert, ihn aber verfehlt. Medien spekulierten über die Herkunft des Mannes und meinten einen deutschen Akzent erkannt haben.

Das chinesische Staatsfernsehen zeigte den Zwischenfall in einem längeren Filmbericht in den landesweiten Abendnachrichten. Die staatlich kontrollierten Medien hatten den Schuhwurf, der an eine ähnliche Attacke auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush in Bagdad erinnerte, allerdings zuvor den ganzen Tag über verschwiegen.

Dem Schuhwerfer wird Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen. "Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren. Wie könnt Ihr den Lügen zuhören, die er erzählt. Steht auf und protestiert", rief der Mann, bevor er den Schuh warf. Der Regierungschef kommentierte: "Diese verachtenswerte Tat kann die Freundschaft zwischen dem chinesischen und britischen Volk nicht aufhalten." Während seines dreitägigen Besuches in Großbritannien war es wiederholt zu Protesten gegen Chinas Tibet-Politik gekommen.

Die Polizei in Cambridge wollte keine Angaben zur Nationalität des Mannes machen und auch die Spekulationen über den deutschsprachigen Akzent nicht bewerten. Weder der Universität noch dem Vorsitzenden der Cambridge German Society, Christian Richardt, war die Identität des Mannes bekannt.

Das Außenministerium in Peking protestierte gegen den "Zwischenfall", wie der Schuhwurf in den amtlichen chinesischen Medien zunächst nur bezeichnet wurde. "Ein Mann hat verzweifelt versucht, die Ordnung im Saal und die Rede zu stören. Sein Verhalten stieß auf energischen Widerstand des ganzen Publikums. Er wurde ausgebuht und abgeführt", erklärte das Ministerium in seiner Version der Protestaktion, ohne den Schuhwurf selbst zunächst zu erwähnen.

Da das Außenministerium die ähnliche Attacke auf US-Präsident Bush im Dezember noch humorvoll kommentiert hatte, verteidigte Sprecherin Jiang Yu auf Journalistenfragen sowohl die jetzige Empörung als auch die damalige Reaktion im Fall von Bush als "angemessen". Zu dem Schuhwurf auf den US-Präsidenten hatte der damalige Sprecher auf einer Pressekonferenz vor ausländischen Journalisten gesagt: "Ich sollte nicht nur auf jene achten, die ihre Hand heben, sondern auch auf solche, die ihre Schnürsenkel aufschnüren." Den Satz wertete Chinas Staatsagentur Xinhua später als Beweis für den besonderen Humor des Leiters der Informationsabteilung des Außenministeriums.

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