China
EU verhängt Strafzölle gegen Billigschuhe

Die EU verteuert Billig-Schuhe aus China und Vietnam für die nächsten zwei Jahre durch Strafzölle. Die Extrazölle sollen zwei Jahre lang gelten. Europas größter Schuhhändler reagierte promt.

HB BRÜSSEL. Ein Sprecher der finnischen EU- Ratspräsidentschaft sagte in Brüssel, die Entscheidung sei nur knapp zu Stande gekommen. In Beratungen der EU-Botschafter gab es am Mittwoch aber keine Mehrheit mehr gegen einen Kompromiss.

Die EU-Staaten schwächten einen Vorschlag der EU-Kommission ab, die eine Dauer von fünf Jahren gefordert hatte. Die Einigung muss am Donnerstag noch vom EU-Ministerrat besiegelt werden. Das gilt als Formsache. Die Schuhbranche hatte bereits gewarnt, die Zölle könnten Preiserhöhungen für die Verbraucher bedeuten. In Deutschland kommen 60 Prozent der Schuhimporte aus China und Vietnam.

Die Extrazölle betragen für Lederschuhe aus China 16,5 Prozent und 10 Prozent für Lederschuhe aus Vietnam, berichteten EU-Diplomaten. Die EU-Kommission hatte die die Extrazölle im August vorgeschlagen, da beide asiatischen Länder mit Subventionen den weltweiten Wettbewerb erheblich verzerren.

Bisher war eine Mehrheit von freihändlerischen Mitgliedstaaten - darunter auch Deutschland und Großbritannien - gegen dauerhafte Strafzölle aufgetreten. Diese Mehrheit war wegen Enthaltungen von Österreich und Zypern bei der Abstimmung der ständigen EU-Botschafter der Mitgliedstaaten nun nicht mehr zu halten. An der Spitze der Zollbefürworter steht Italien, wo es noch viele kleine Schuhhersteller gibt, die sich bedroht sehen.

Europas größter Schuhhändler Deichmann kritisierte die geplanten Strafzölle und will Produktion und Beschaffung nun in andere Länder verlagern. „Die Zeche zahlt am Ende der Verbraucher, weil die Preise im deutschen Schuheinzelhandel voraussichtlich steigen werden“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Heinrich Deichmann, der in Essen erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ).

Die Entscheidung für Strafzölle sei nach 14 Monaten intensiver Verhandlungen völlig absurd. „Es hilft niemandem, schädigt aber viele“, sagte Deichmann. Mit der Verlagerung der Beschaffung in andere Ländern wolle Deichmann Preisaufschläge für die eigenen Kunden verhindern.

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