China-Japan-Zwist
Tokio warnt China vor Handelskrise

Die Eskalation des chinesisch-japanischen Konfliktes droht den Handel zwischen den beiden Ländern entgleisen zu lassen. Japan warnte die chinesische Führung eindrücklich vor den möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen ihres Zwistes. Auch Ökonomen in Europa sorgen sich um die Entwicklung im Osten.

HB DÜSSELDORF. China ist Japans größter Handelspartner. Die Japaner sind auf den chinesischen Markt angewiesen, um sich aus der anhaltenden Rezession lösen zu können. Allein im vergangenen Jahr war der bilaterale Handel zwischen den Ländern rund 167 Mrd. Dollar wert. Zudem investierte Japan laut Statistiken der chinesischen Regierung in mehr als 20 000 Projekte in China.

Japans Außenminister Nobutaka Machimura warnte jetzt davor, dass die derzeitigen diplomatischen Spannungen dazu führen könnten, dass „die Beziehungen beider Länder, die Wirtschaft mit eingeschlossen, in eine kritische Phase eintreten“. Die Gewaltausschreitungen und antijapanischen Proteste würden zudem dem Ruf der chinesischen Wirtschaft großen Schaden zufügen. „Die Menschen auf der ganzen Welt wundern sich, ob es richtig ist, sich weiter wirtschaftlich in China zu engagieren“, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo Japans Wirtschaftsminister Shoichi Nakagawa.

Tatsächlich zeigte der Konflikt bereits deutliche Auswirkungen an der asiatischen Börse. In Tokio sackte der Nikkei 225-Index um 3,8 Prozent auf 10 938,44 Punkte ab und verzeichnete damit den tiefsten Stand seit vier Monaten.

Die Aktien von japanischen Stahl- und Schiffbau-Unternehmen sowie Tourismuswerte, die von der wachsenden Nachfrage aus China zuletzt profitiert hatten, gaben am Montag ebenfalls nach. Die Titel von Nippon Steel, dem größten japanischen Stahlhersteller, verloren 3,9 Prozent. Kinki Nippon Tourist gingen 6,3 Prozent schwächer aus dem Markt. Auch die Autohersteller, für die China ein wichtiger Markt ist, waren schwächer. Das China-Problem könnte sich zu einer wirklichen Bedrohung für die Börse ausweiten, so ein Händler.

Warnung vor "dramatische Entwicklung"

Doch auch in Europa blicken Ökonomen und Analysten besorgt nach Osten. „Wenn diese Krise wirklich bliebe oder gar noch größer würde, wäre das eine dramatische Entwicklung, denn Asien ist unser Wachstumsmotor“, sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, dem TV-Sender Deutsche Welle (DW). Wenn es aus „politischen Gründen zu einer Eiszeit käme, wäre es eine Katastrophe“, sagte Walter.

Europäische Investoren in China könnten in diesem Fall „kalte Füße“ bekommen, so der Konjunkturexperte weiter. Auch für die USA könne es zu einer “dramatischen Situation“ kommen, denn „viele ihrer Waren, die heute für den preiswerten Konsum in den USA erst sorgen, stammen aus dem Land der Mitte.“

Der Abwärtstrend des japanischen Marktes hält an, seitdem ein vor rund drei Wochen von Japan genehmigtes Schulbuch heftige Demonstrationen in China auslöste. Nach Ansicht Chinas werden darin japanische Gräueltaten während der Besatzung Chinas 1931 bis 1945 geschönt. Negativ wirkte sich zudem die Ankündigung Pekings aus, die Kandidatur Japans für einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nicht mehr unterstützen zu wollen.

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