China nach dem Erdbeben
Das Beben der Bagger

Nach dem schweren Erdbeben überrascht China die ausländischen Helfer mit einem schnellen Wiederaufbau. Doch gleichzeitig wächst die Angst vor einer neuen Katastrophe: einer vernichtenden Flut.

BEICHUAN. Wieder vibriert die Erde von Beichuan. Dreck und Staub wirbeln durch die Luft, nehmen einem Atem und Sicht. Doch an diesem Vormittag wird der Bergort im chinesischen Bebengebiet von Sichuan nicht durch ein neuerliches Nachbeben erschüttert. Diesmal sind es Bagger, Raupen, Lastwagen und Betonmischer, die den Boden von Beichuan zittern lassen.

"Wir brauchen Platz, damit die Versorgungsfahrzeuge für den Bau der Notunterkünfte hier durchkönnen", sagt ein chinesischer Ingenieur und rückt seinen roten Helm zurecht. Männer mit nackten Oberkörpern stehen daneben auf Schutthaufen und hämmern auf die verkeilten Betonteile, um sie für die Baggerschaufeln zu zerkleinern.

Nur eine rosa Matratze zwischen den Trümmern erinnert daran, dass hier vor kurzem ein Wohnhaus stand. Und eine junge Frau, die mit ihren Händen im Schutt wühlt, um noch etwas Privates oder ein Stück Vergangenheit zu retten. Doch der große Bagger rückt mit jeder Schaufel näher - er ebnet den Neuanfang.

China setzt nach dem schwersten Beben in der Volksrepublik, das Mitte Mai die Region Beichuan erschütterte, mit allen Kräften auf einen schnellen Wiederaufbau. Tag und Nacht rollen Tieflader mit Bauelementen für einfache Fertighäuser in das Krisengebiet. Überall werden in der Region um die Provinzhauptstadt Chendu große Flächen planiert, wo die Behelfsunterkünfte entstehen sollen. Die einfachen Plattenbau-Baracken sollen fünf Millionen neuen Obdachlosen drei Jahre lang ausreichend Schutz bieten.

Auch im Tal von Beichuan leuchten zwischen den grünen Reisfeldern bereits die ersten blauen Wellblechdächer der eilig errichteten Notdörfer. "Die Phase der Krisenhilfe ist hier bereits nach vier Wochen vorbei", sagt Frank Winterfeldt, der für das Technische Hilfswerk (THW) in Sichuan im Einsatz ist. Normalerweise dauere diese Periode bei solchen Katastrophen viel länger, weiß der 47-jährige Helfer von der Berufsfeuerwehr Pforzheim: Er war schon in etlichen Krisengebieten. "Die Geschwindigkeit der Chinesen ist sehr beeindruckend."

Dabei ist die vom Erdbeben betroffene Region ungefähr so groß wie Südkorea. Ganze Städte, wie Beichuan oder Dujiangyan, sind stark zerstört, müssen vielleicht komplett abgerissen werden. Die am schwersten betroffenen Gegenden dürften acht Jahre benötigen, um die Katastrophe zu verarbeiten, schätzt Liu Jie, Chef der für den Wiederaufbau zuständigen Behörde in der Provinzhauptstadt Chengdu.

Die endgültige Bilanz des Schreckens kennt noch niemand. Auf der Straße von Beichuan nach Mianyang, der nächsten Provinzstadt in der Tiefebene, geht es vorbei an komplett zerstörten Dörfern. Hier liegen noch immer Felsbrocken groß wie Garagentore auf den Straßen und abgestürzte Autowracks im angrenzenden Flussbett. Eine Zementfabrik hat es aus den Angeln gehoben: Krumm stehen die Silotürme auf dem Gelände.

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