China
Nach den Spielen droht der Knick

Die chinesische Wirtschaft erhofft sich von Olympia zusätzliche Wachstumsimpulse, schottet sich dabei aber weiter gegen Konkurrenten ab. Ein nur durch die Spiele erhöhter Absatz im Inland droht dabei die Pläne von Chinas Regierung zu durchkreuzen.

PEKING. Chinas starkes Wachstum dürfte nach den Olympischen Spielen einen Dämpfer bekommen. Der Aktien- und Immobilienmarkt sei durch einen „irrationalen Optimismus“ gefährlich in die Höhe getrieben worden, sagte Li Daokui, Finanzexperte der Pekinger Tsinghua Universität auf dem Weltwirtschaftsforum in Dalian. Er halte es darum für „ziemlich wahrscheinlich“, dass es nach den Spielen im August 2008 „negative Auswirkungen“ auf Chinas Wirtschaftswachstum geben werde.

Dies könne dann auch das Konsumverhalten beeinträchtigen, sagte der Experte, der zu den führenden Wirtschaftswissenschaftlern der Volksrepublik gehört. Das bedeutet vor allem für jene Unternehmen ein Risiko, die sich von den Spielen einen neuen Absatzboom erhoffen. Zudem wäre eine deutliche Konsumabschwächung ein Rückschlag für den Kurs der Führung in Peking.

Die chinesische Regierung versucht momentan alles, um das künftige Wachstum weniger vom Export abhängig zu machen und stärker durch den heimischen Verbrauch zu stützen. Professor Li sieht die erwartete Korrektur dennoch positiv: „Eine Abschwächung ist gut, denn das momentane Wachstum ist einfach zu groß“, so der Experte.

Bernard Bourigeaux, Chef des IT-Dienstleisters Atos Origin, erwartet dagegen keinen drastischen Einbruch nach den Olympischen Spielen: „Ich glaube, dass sich das Wachstum Chinas weiter fortsetzen wird“, sagte der französische Konzernchef. Atos Origin gehört zu den wenigen globalen Olympia-Sponsorpartnern Pekings. Bourigeaux rechnet sogar damit, dass Chinas Dienstleistungssektor einen Schub bekommen wird. Offiziell macht dieser Bereich nur 40 Prozent der Wirtschaft in der Volksrepublik aus.

Peking sieht im Servicesektor ebenfalls noch großes Potenzial für weiteres Wachstum, da der Dienstleistungsanteil weltweit meist deutlich höher liegt. China fördere darum stark den IT-Breich, vor allem in der Telekommunikation, in der Medizin und im Transportwesen, sagte Zhang Xiaoqiang, Vize-Chef des mächtigen Reform- und Entwicklungsministeriums, auf der Veranstaltung in Dalian.

Aber auch die Hersteller von Konsumgütern setzen auf die Spiele. Vor allem Firmen, die in China aktiv sind, wollen die Veranstaltung trotz nicht unerheblicher Risiken für das Marketing nutzen, erklärt Maurice Lévy, Chef der französischen Werbeagentur Publicis. Von den internationalen Konzernen, die seine Agentur berät, will rund ein Viertel Olympia für das Marketing nutzen.

Chinas Marktführer bei Milchprodukten, die Großmolkerei Yili aus der Inneren Mongolei, hat sich das Sponsoring der Spiele bereits einiges kosten lassen. Gerade für chinesische Marken biete die internationale Veranstaltung sehr gute Chancen, sagt Firmenchef Pan Gang: „Die Spiele werden unser Geschäft stark vorantreiben.“ Ein Konsumeinbruch wäre für seinen Konzern verheerend, doch der Yili-Chef hat das positive Beispiel Japan vor Augen: Dort habe der Käseverbrauch nach den Olympischen Spielen in Tokio um das Sechsfache zugelegt.

Olympia wird China auch politisch voranbringen, ist Tsinghua-Professor Li überzeugt. Die Veranstaltung selbst sei bereits ein Versprechen der Regierung in Peking für „weitere Reformen und einen Wandel“. Publicis-Chef Lévy meint dagegen, die kommunistische Führung müsse erst noch lernen, mit Meinungsvielfalt und Protesten umzugehen. Für Atos-Chef Bourigeaux stellt sich die Frage nach einem Olympia-Boykott nicht. „Als einer der Top-Sponsoren bekommen wir natürlich Briefe von Leuten, die das fordern“, so der Manager. „Ich denke aber, es ist besser, die Spiele zu machen. Denn das hilft auf jeden Fall mehr, China zu verändern.“

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