China nach Olympia
Die Spuren der Spiele

Die Spiele sind vorbei, China kehrt zur Normalität zurück. Gegen Kritiker gehen die Behörden weiter hart vor. Dennoch wird das Mega-Projekt Olympia Einfluss auf Chinas politische Entwicklung haben. Schon jetzt äußern sich unzufriedene Bürger im Internet.

PEKING. Die Spiele der Superlative sind vorüber, China kehrt langsam zur Normalität zurück. Auch in den Staatsmedien ebbt das olympische Schulterklopfen ab, mit dem die Ausrichtung der Sommerspiele als der „Höhepunkt von 30 Jahren chinesischer Öffnungspolitik“ gefeiert wurde. Wie zur Demonstration der neuen Rolle in der Welt brach Staatschef Hu Jintao bereits am Tag nach den Spielen zu einer Auslandsreise auf. So kam seine Botschaft nicht aus Peking, sondern aus Südkorea: China werde sich weiter der Welt öffnen und für dauerhaften Frieden und weltweiten Wohlstand eintreten.

Es klingt paradox, obwohl die Welt die perfekten Spielen beklatscht, steht Peking unter Rechtfertigungsdruck. Das Land habe mit Olympia der Welt seine Stärke bewiesen, sagt Jin Canrong, Professor an China's School of International Studies in Peking. „Nun fragt sich der Rest der Welt natürlich, wie China diese Stärke nutzen wird.“

Während Hu Jintao die Sorgen im Ausland zu vertreiben sucht, sieht das olympische Signal nach innen etwas anders aus. Gegen Kritiker wird in China weiter hart vorgegangen. Es sei zu fürchten, dass die Partei nach den Spielen diese noch stärker als bisher verfolgen wird, heißt es bei Human Rights Watch in China. Die Menschenrechtsorganisation zieht darum eine negative Olympia-Bilanz. Die „sorgfältig verputze Fassade kann nicht den Polizeistaat verbergen, der auf den Menschenrechten herumtrampelt“, heißt es.

Während Olympia wurden dafür Wu Dianyuan (79) und Wang Xiuying (77) berühmt. Die Pekinger Rentnerinnen sind ohne Gerichtsverfahren zu je einem Jahr „Umerziehung durch Arbeit“ verurteilt worden, weil sie eine Demonstration in einer der olympischen Protestzonen angemeldet hatten. Sie dürfen ihre Strafe wegen des hohen Alters nun in ihrer Wohnung absitzen, stehen aber unter Hausarrest. Doch die beiden Seniorinnen, die seit Jahren um die Kompensation für ihre abgerissene Wohnung streiten, halten nicht den Mund. „Wir haben nichts Verbotenes getan und werden weiter für unser Recht kämpfen“, wettern sie.

Wang und Wu sind auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Pekinger Regierung nach dem olympischen Frieden nicht im Glanz der Spiele sonnen kann. Denn der Unmut im Land nimmt überall zu, gerade auch wegen Olympia. So gibt es unter Chinesen heftige Kritik an den Kosten der Spiele, die mit geschätzten 45 bis 65 Mrd. Dollar als die teuersten Spiele der Geschichte gelten.

Auch das Thema Umweltverschmutzung wirft neue Fragen auf. Noch ist die Luft über Peking gut, denn Fahrverbote und Fabrikabschaltungen gelten bis zum Ende der Paralmypics, also noch fast einen Monat. Doch dann wird der Smog wieder über der Stadt hängen, werden sich die Bürger an die Lebensqualität während der olympischen Tage erinnern.

Warum kann das nicht immer so sein, fragen die ersten im Internet. Warum ist die Wasserqualität sonst schlechter? Kann man die Verkehrsbeschränkungen in Peking nicht beibehalten? Vor allem im Internet melden Chinas Bürger nun solche Ansprüche an.

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