China
Peking verschweigt Tumulte in Teheran

Die Proteste in Iran erfüllen Chinas Führung offensichtlich mit großer Unruhe. Pekings Zensoren haben nach Angaben chinesischer Journalisten den Medien angeordnet, nicht zu groß über die Proteste und Machtkämpfe im fernen Teheran zu berichten. Dahinter steht die Befürchtung, der Druck der iranischen Reformkräfte könnte chinesische Dissidenten zu ähnlichen Protesten anregen.

PEKING. Konkret dürfen chinesische Medien beim Thema Iran nur noch von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua oder vom Parteiorgan „Volkszeitung“ verbreitete Meldungen verwenden. Alle anderen Beiträge und Videos wurden – vor allem im Internet, etwa beim führenden Portal Sina.com – weitgehend gelöscht und durch offizielles Material ersetzt. Das Videoportal YouTube ist in China ohnehin blockiert.

Sina.com habe in China „sehr großen Einfluss“, bestätigt Konzernchef Charles Chao auf Anfrage. Ihm sei es persönlich sehr wichtig, dass „stets verschiedene Meinungen“ zu Wort kommen. Warum Sina.com zum Thema Iran nur Xinhua-Meldungen verwendet, wollte Chao jedoch nicht kommentieren. Mit dem Thema Zensur sei er grundsätzlich „nicht befasst“, erklärt der Chef des größten Internetportals der Welt.

Zuvor hatten im Internet zahlreiche Chinesen Kritik an den Vorfällen in Iran geäußert. Über den Mikroblog-Dienst Twitter hatte ein Schreiber die Schüsse auf Demonstranten in Teheran mit der Zerschlagung der Demokratiebewegung vor 20 Jahren in Peking verglichen: „Das erinnert mich an das Massaker von 1989.“ Andere Nutzer verglichen Iran und China als nicht-demokratische Länder – bis diese Einträge von der Zensur gelöscht wurden. In Iran hatten Oppositionelle vor allem Twitter genutzt, um ihren Proteste zu verbreiten und zu organisieren. In China ist dieser Dienst bislang nicht per Handy möglich, sondern nur über stationäre Internetverbindungen.

Dennoch formiert sich in der Volksrepublik zunehmend Bürger-Widerstand. Der regierungskritische Künstler Ai Weiwei etwa, dessen Blog auf Sina.com gesperrt worden ist, setzt die Pekinger Regierung schon mit Internetaktionen unter Druck. Zuletzt mit einer Liste der beim Erdbeben in Sichuan ums Leben gekommenen Schulkinder – ein sensibles Thema, da die Regierung in Peking fast ein Jahr lang dazu keine Zahl bekanntgegeben hat.

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